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Thema: Sein oder Träumen

Wir schreiben hier in der Abteilung Spirituelles Sein. Der Geist will sich verwirklichen, ganz ins Sein treten und sich selbst in seiner ganzen Herrlichkeit erfahren.

Offensichtlich geht es dabei nicht einfach nur um Träumereien, um die Freude, in die Unendlichkeit einzutauchen, sondern darum, uns hier, in der materiellen Welt, als vollkommen freie Geister zu verwirklichen.

Das stellt sich mitunter als schwerer heraus, als uns lieb ist, und die Flucht in geistige Welten voller Frieden, Freude und Glückseligkeit ist sehr verlockend. Doch darum sind wir nicht hier her gekommen.
Das ist nur unsere Quelle der Inspiration, für Vorstelllungen, wie unser wahres Sein aussehen könnte.

Wir sind materielle, menschliche Wesen, mit einem sterblichen Körper in einer vergänglichen, materiellen Welt, und es ist die größte aller Herausforderungen, hier in dieser Welt, in diesem Körper, die Glückseligkeit zu erfahren, zu verwirklichen, mit allen zu teilen.

Wir sollten alles tun, was in unserer Macht steht, um die Herrlichkeit hier gemeinsam zu erfahren, um die Glückseligkeit hier zu verwirklichen, anstatt uns in Träumereien zu flüchten oder uns gegenseitig an der Verwirklichung des reinen Seins in Glückseligkeit hier in der materiellen Welt zu behindern.

:om:

Alles Liebe.  *INLOVE*

रोलन्द् बब

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Re: Sein oder Träumen

Ich weiß, ich reite sehr auf diesem Thema herum. Doch wenn man das Geschehen der Welt betrachtet, ist kaum zu übersehen, dass viele zum Teil bedrohliche Probleme durch Handlungen von Menschen entstehen, die aufgrund einseitiger Vorstellungen und Glauben mangelnde Einsicht in die kosmischen Zusammenhänge haben.

Die Menschheit als Ganzes hat nach meiner Ansicht nur eine Überlebenschance, wenn sich spirituelles Denken im kollektiven Weltbild fest etablieren kann.
Auch der Umgang von Menschen miteinander ist noch immer überwiegend geprägt von sozial bedingten Zielen egoistischer und materialistischer Natur.

Die Folge sind Krankheiten, Kriege, Raubbau und Umweltverschmutzung in nie dagewesenem Ausmaß.

Darin sind sich sicher viele spirituelle Menschen mit mir völlig einig. Und viele haben offenbar auch für sich einen Ausweg aus dieser scheinbar hoffnungslosen Situation gefunden.
Sie haben wunderbare, tief gehende Erfahrungen gemacht, in der Einsamkeit ihres Seins ungeahnte Wonnen erfahren und wesentliche Erkenntnisse von kosmischen Zusammenhängen erkannt.

So ist es für sie nur völlig natürlich, dies alles teilen zu wollen, wenn sie das ganze selbst geschaffene Leid auf der Welt sehen.

Doch gerade hier scheiden sich in der spirituellen Welt die Geister. Viele Lehrer, Meister, Gurus, oder wie auch immer man sie nennen mag, möchten gerne die Flucht in Fantasiewelten fernab der materiellen Realität lehren.
Das mag für Einzelne vorübergehend zu einer angenehmen Entspannung führen und ist natürlich auch ein momentanes Stück Selbstverwirklichung. Es ändert jedoch nichts an den zahlreichen kleinen Problemen, vor denen viele Menschen im Alltag stehen, und schon gar nicht an den großen Problemen der Menschheit.

Daher betonen manche spirituellen Lehrer und Führer auch immer wieder, dass es sehr leicht ist, in einer einsamen Höhle Erleuchtung zu erfahren, aber eine echte Herausforderung, diese auch im Alltag mitten unter den Menschen zu leben.

Dem kann ich mich aus eigener Erfahrung nur anschließen. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber auch, dass es sehr wohl möglich ist, im Hier und Jetzt, mitten unter den Menschen und unter vollem Gewahrsein all der kleinen und großen Probleme die Glückseligkeit zu verwirklichen.
Und zwar ohne sich von der Welt, dem Materiellen oder den Menschen abzuwenden oder irgend etwas zu leugnen und in abstrakte Fantasie, Glauben oder magische Vorstellungen zu flüchten.

In der spirituellen Welt wird leider auch noch vieles verwechselt und vermischt, weil oft alte, nicht integrierte Persönlichkeitsanteile wichtige Einsichten vereiteln.

Einer der größten Fehler spiritueller Menschen ist die Vermischung magischer, mystischer und religiöser Vorstellungen mit wahrhaftiger Spiritualität, was häufig zu einem realitätsfremden Weltbild führt. Dies geht fast immer einher mit dem Verwerfen oder Verdrängen der Rationalität, die ein wesentlicher Bestandteil unseres Seins ist und überhaupt erst jede Form von Selbsterkenntnis und Verständnis des Erkannten ermöglicht.

Das führt natürlich im Kollektiv zu teilweise erheblichem Widerstand, denn die meisten Menschen haben sich daran gewöhnt, nur das anzunehmen, was ihnen einen Vorteil bringt und was sie auch verstehen.

Daher müssen wir lernen, Esoterik, Spiritismus, Glauben und magische Vorstellungen sauber von echter Spiritualität zu unterscheiden. Das Kollektiv wird nichts annehmen, was ihm etwas weg nimmt, sondern nur das, was wir selbst verstanden haben, genau erklären können und den Menschen wirklich etwas bringt.

Natürlich verwirft echte Spiritualität daher all dies nicht, sondern integriert es in eine spirituelle Weltsicht, die auch die rationalen Aspekte nicht leugnet. Integrieren bedeutet in diesem Zusammenhang, die Phänomene zunächst einmal zu differenzieren, um sich ihrer Eigenschaften bewusst zu werden, und sie dann zu bewerten, um ihnen einen angemessenen Platz im Weltbild zu geben.

Der Wert aller Phänomene ist nämlich nicht absolut und auch nicht gleich, auch wenn das manchen spirituellen Menschen offenbar so erscheint oder sie es gerne so hätten.
Aus einer vollkommen unpersönlichen Perspektive, wie etwa dem vielen spirituellen Menschen bekannten sogenannten Gewahrsein, das durch Meditation erzeugt und gepflegt werden kann, erscheinen die Dinge natürlich alle als absolut gleichwertig.
Auch wenn das natürlich für sich genommen eine Absolute Wahrheit darstellt, die eine völlig neutrale und entspannte Betrachtung der Welt der Erscheinungen erlaubt und so Erkenntnisse ermöglicht, die normalerweise durch emotionale Verstrickungen überdeckt werden, ist diese Perspektive für den menschlichen Alltag kaum geeignet.

Und genau das sind wir: Menschen, die hier her gekommen sind, um das Sein als bewusste Wesen in der materiellen Welt auf die bestmögliche Weise zu verwirklichen. Wir sind nicht hier, um uns wieder in abstrakte Traumwelten zurück zu meditieren und einsam in göttlicher Wonne zu schwelgen, sondern um diese Wonne hier gemeinsam zu verwirklichen.
Diese Erkenntnis kommt in der buddhistischen Ansicht zum Ausdruck, die besagt, dass ein Bodhisattva sich so lange immer wieder inkarniert, bis auch das letzte fühlende Wesen Erleuchtung erfahren hat.

Wer also glaubt, sich in eine abstrakte Welt  oder das neutrale Gewahrsein flüchten zu können, muss sich darüber klar werden, dass er damit die Arbeit an seiner Selbstverwirklichung nur in die Zukunft verschoben hat.
Und jeder, der es gelernt hat, sich in kosmische Höhen aufzuschwingen und dabei sein materielles Dasein und seine Sterblichkeit nicht vollkommen angenommen hat, weiß aus eigener Erfahrung, dass er früher oder später immer wieder gnadenlos herunter gezogen wird.
Gerade in dieser Hinsicht glänzen manche Menschen, die sich für besonders spirituell und erleuchtet halten, mit kaum zu übertreffendem Selbstbetrug.

In den späten 60er und den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat eine riesige spirituelle Welle unseren gesamten Planeten umspült und viele Menschen auf einen "höhere" Bewusstseinsebene transportiert.
Diese Welle hat sich jedoch sehr schnell wieder im Sande verlaufen, eben weil ihr revolutionärer Charakter alle Bestehenden Werte einfach verworfen hat, anstatt sie neu zu bewerten und so in ein neues, spirituelleres Weltbild zu integrieren.

Leider bemühen sich heute sehr viele spirituelle Menschen, die Fehler von damals immer weiter zu wiederholen. Engel, Medien, magische Vorstellungen, Mythen und Glaube werden weiterhin ohne jeden rationalen Hintergrund als das Nonplusultra propagiert, was evolutionsgeschichtlich betrachtet eine Regression, eine Zurückentwicklung darstellt.

Wirkliche Spiritualität verwirft und leugnet nichts, nimmt alles an und integriert es. Wirkliche Spiritualität orientiert sich immer am Ganzen und am Positiven, verbindet das Göttliche, das Abstrakte, Träume und Fantasie mit der materiellen Welt, der Rationalität, dem Alltag.

Bist DU wirklich spirituell?

रोलन्द् बब

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Re: Sein oder Träumen

ES verwirklicht sich, mit uns, durch uns, in uns, für uns - und wenn wir uns auflehnen, auch gegen uns.

Schön formuliert, Baba. Aber immer diese vielen Worte...  ;-)

Bleibt wie ihr seid, kleidet euch und esst, und verbringt die Zeit mit Nichtstun.

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Re: Sein oder Träumen

Ich verstehe was du meinst Roland, aber ist deine Vorstellung von "echter" und "richtiger" Spiritualität nicht auch genau so ein abstraktes Konstrukt wie,
alle anderen Spielarten des Seins?
Ich mag den Gedanken von Wachstum des Kollektivs und sehne mich nach einer besseren Welt.
Aber ich glaube nicht das wir die vom Verstand nicht erfassbare intelligenz des "Einen" verstehen können und so ein Konzept entwickeln das auf alle Menschen gleichwertig angewendet werden kann.
Das grenzt die Vielfalt und Kreativität des göttlichen in sehr enge Bahnen.
Selbstverwirklichung ist immer anders. Immer individuell.
Manch einer erfährt Erleuchtung durch die Vorschläge und Konzepte die du entwickelst und der Nächste ißt eine Erdbeere und erfährt so Erleuchtung.
Man kann es einfach nicht über einen Kamm scheren.
Ich folge meiner Intuition und lasse keine Regeln Grenzen oder anderweitige Verstandeskonstrukte gelten.
Es gibt einfach nicht DEN Weg. Wie jede Schneeflocke anders ist, als jede andere kann es niemals DEN allein gültigen "Weg" geben.
Kann man es verstehen kann es nicht wahr sein.
Das zu verinnerlichen und zu leben ist auch eine Art von unendlich vielen weiteren.
Man kann hinweisen, beistehen, oder auch nicht.
Es ist eine Frage der Resonanz.
Ist Resonanz vorhanden kann alles geschehen und wenn nicht dann halt anders.
*INLOVE*

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Re: Sein oder Träumen

"Echte" Spiritualität ist eben kein abstraktes Konstrukt, sondern die Beschäftigung mit dem, was wirklich ist. Das lässt sich ganz leicht dadurch unterscheiden, dass "echte" Spiritualität die materielle Welt nicht ausklammert und alles nüchtern und sachlich begründen können muss. Natürlich ohne dabei das Abstrakte zu verwerfen.

Das das geht, zeigen uns Menschen seit Jahrhunderten, und nach Geringerem zu streben bedeutet, das Sein als Mensch nicht auszufüllen.

Es gibt nichts, was vom Verstand nicht erfasst werden könnte. Alles, was dieses Kriterium nicht erfüllt, ist Glaube oder Aberglaube, worüber wir irgendwann hinaus wachsen sollten.
Natürlich haben davor viele Menschen große Angst, denn das würde ja bedeuten, sich voll und ganz auf dieses Leben einzulassen und nicht mehr hinter Träumereien und vagen Vermutungen zu verstecken.

Wenn man erwacht ist, hat das mit Konzepten nichts mehr zu tun. Die werden nur vom eigenen Ich erschaffen, um es aufrecht zu erhalten und seine Vorstellungen zu verwirklichen. Was ich schreibe, ist etwas anderes. Es sind Fakten, Bruchstücke der kosmischen Ordnung, die sich mir im Jetzt offenbaren.

Das hat gar nichts Abstraktes, sondern entspringt dem vollkommen nüchternen, sachlichen Gewahrsein der reinen Erkenntnis.  Erst wenn wir alle abstrakten Ausflüchte aufgaben, sind wir in der Lage, die Wirklichkeit so zu erkennen, wie sie ist.
Genau im anderen Fall sind es nämlich nur Konzepte, Modelle, die immer nur einen winzigen Bruchteil Teil der Wirklichkeit erfassen können und den Rest mit Fantastereien auffüllen.

Die wichtigsten Voraussetzungen für "echte" Spiritualität sind absolute Selbstehrlichkeit und Nüchternheit. Sie hat nichts mit Spekulationen  oder Glauben zu tun, sondern ihre ganze Grundlage ist die Erkenntnis. Wenn etwas nicht für alle unter den entsprechenden Bedingungen erlebbar und nachvollziehbar ist und die eigene Bewusstheit sowie die des Ganzen mehrt, dass ist es nicht spirituell, sondern magisch, religiös, spiritistisch oder esoterisch.
Das hat die Menschen seit Jahrtausenden ängstlich und dumm gehalten und heute brauchen wir das nicht mehr.

Heute, im rationalen Zeitalter, sind die meisten Menschen davon überzeugt, sie hätten Religion und Glaube besiegt, aber sie glauben an die Macht des Geldes und der gesellschaftlichen Strukturen, an Schamanismus, Gott, Engel und Lichtwesen, obwohl ganz tief in ihrem Inneren die wenigsten wirklich damit zufrieden sind.

Das ist alles nur Ablenkung, die uns daran hindert, hier und jetzt, mit klarem Verstand und aus vollem Herzen ganze Menschen zu sein.

Natürlich gibt es zu diesem wachen, klaren, gleichzeitig völlig nüchternen und doch herzlichen, ekstatischen, glückseligen ganzen Menschsein unendlich viele Wege.
Ich schreibe auch niemandem den Weg vor, sondern weise nur immer wieder darauf hin, woran man den richtigen Weg für sich UND für uns alle erkennen kann, denn es geht nicht allein um eine egozentrische Selbstverwirklichung, sondern darum, dass wir alle gemeinsam hier in Harmonie mit dem kosmischen Fluss Glückseligkeit verwirklichen.


Alles Liebe.  *INLOVE*

रोलन्द् बब