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Thema: Dualität und Nondualität

Ich weiß, ich kann hier viel schreiben, es sind doch immer nur Einsichten, Ansichten, Aussichten, unterschiedliche Perspektiven eben, die jeder schon in seinem Inneren trägt.

So bleiben sie auch nichts anderes, als hübsche, abstrakte Gebilde, leere Hüllen, wie Ballons, die jeder beim Lesen dann mit weiteren Ideen an füllt, noch mehr leeren Ballons, der sich nicht auf das Erleben, die mit den Perspektiven verbundenen, echten Gefühle und Wahrnehmungen einlässt.

Aber das liegt zum Glück außerhalb meines Einflusses und meiner Verantwortung. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Nun zum Thema. Wenn man so vollkommen in die Welt der Dualität verstrickt ist, hat man wenig bis gar keine Motivation und Gelegenheit, sich mit ihr anders zu beschäftigen, als in einer unaufhörlichen Kette von Wahrnehmung und Reaktion.

Gelegentlich hört man dann, vielleicht "zufällig", dass es auch noch etwas anderes geben soll. In spirituellen Kreisen ist dann oft von der Nondualität die Rede, sozusagen als Gegenstück zur Dualität, unserer "normalen" Alltagsrealität, in der alles ganz anders, viel besser sein soll.

Früher hat man vom Paradies, dem Himmel oder dem gelobten Land gesprochen, aber genau dasselbe damit gemeint. Eben einem Universum der Wonne und Glückseligkeit, die nicht ständig durch die Erfahrung von Leid getrübt ist.

Was natürlich, so muss zumindest jedem einigermaßen vernünftig denkenden Menschen klar sein, völliger Nonsens ist. Wer von Dualität und Nondualität spricht und diese unterscheidet, ja sogar als Gegensätze sieht, ist ja wohl noch komplett in der Dualität, Ich meine, dualistischer geht es doch kaum noch.

Aber was bleibt einem vollständig Erwachten, einem echten Lehrer, Guru oder Meister (zu dem übrigens immer erst die Anderen ihn oder sie machen) denn anderes übrig, als sich der Sprache zu bedienen, die man hier, in der normalen Wirklichkeit, zur Verständigung benutzt, wenn man seine Erfahrungen und Erkenntnisse teilen möchte?

Ok, ja, es gibt da natürlich auch noch andere Methoden, Erfahrungen aus der nicht dualen Wirklichkeit zu teilen, aber die sind für die Menschen, die sich freiwillig vollkommen auf die duale Ebene beschränken und an ihr fest klammern, doch eher erschreckend, als anregend.

Zurück zum Dualismus zwischen Dualität und Nondualität: das ist natürlich gar kein wirklicher Dualismus, sondern wirkt nur auf den ersten Blick aus der Dualität heraus so. Weil da ja eben alles dualistisch ist. Aber beim genaueren Hinsehen kann man erkennen, dass der Dualismus gar nicht außerhalb des Nondualismus ist, sondern mitten drin.
Also kann er wohl kaum das Gegenstück dazu sein. Und, oh wie wunderbar, ist aus nicht dualistischer Sicht, auch der Nondualismus mitten im Dualismus. Überall sogar. Man sieht ihn nur nicht, solange man die dualistische Brille auf hat.

Es sind also eigentlich einfach nur zwei verschiedene Perspektiven auf die Wirklichkeit, die jedem Menschen jederzeit zur Verfügung stehen. Wir gewöhnen uns nur offenbar leicht an, immer nur aus der einen, dualistischen Perspektive zu schauen, weil diese die Welt begrenzt und damit überschaubarer macht.

Das ist mitunter sehr hilfreich und nützlich, hat aber den bitteren Beigeschmack, dass diese Begrenzung der Perspektive zu unserer eigenen wird, wenn sie durch Gewohnheit ins Unbewusste abgleitet.
So entsteht das Gefängnis für unseren Geist, was uns dann gelegentlich so unangenehm wird, dass wir im wahrsten Sinne des Wortes aus der Haut fahren.

Wer jetzt glaubt, dem entrinnen zu können, indem er seinen Verstand und / oder seine Gefühle bekämpft, leugnet und sich in Traumwelten zu flüchten versucht, wird sehr schnell feststellen, wie hartnäckig die Gewohnheit dualistischer Perspektiven ist und wie gründlich sie uns wieder auf den Teppich holt.

Das klingt zwar jetzt schon ein wenig hoffnungslos, besonders für all jene, die das genau so immer wieder erleben. Aber, und genau das ist es, was uns ja alle Lehrer, Gurus und Meister immer wieder versuchen zu zeigen: Es gibt tatsächlich einen Ausweg.
Die Geschichte der Menschheit ist voll mit Beispielen von Menschen, die diesen Weg gefunden haben und ihn gegangen sind.

Der Ausweg ist ganz einfach die Nondualität. Da Dualität nur eine Gewohnheit ist, die Wirklichkeit auf eine begrenzte Weise wahrzunehmen, kann man sich das natürlich auch wieder abgewöhnen. Man braucht eigentlich nur das, was man wahrnimmt, nicht mehr ständig als die absolute Wahrheit aufzufassen.

Zugegeben, diese Vorgehensweise vermittelt Halt und ein Gefühl der Sicherheit, aber sind wir doch mal ehrlich: der Preis, den wir dafür zahlen, nämlich unsere geistige Freiheit, ist doch etwas zu hoch.

Freiheit will zwar gelernt sein, sie ist manchmal schwerer auszuhalten, als das Gefängnis, aber sie ist nun mal unser natürlicher Grundzustand und wir können uns nie länger ganz erfüllt, zufrieden und glücklich fühlen, solange wir ihn nicht wiederhergestellt haben.

Und das fängt damit an, sich ein wenig mit der Unsicherheit anzufreunden, indem wir unsere Wahrnehmung nicht immer sofort in unseren dualistischen Schubladen verstauen, sondern als das betrachten, was sie sind. Nämlich nichts weiter, als dualistische Interpretationen eines völlig neutralen, energetischen Weltgeschehens, eines dynamischen, kosmischen Flusses, an dem nie irgend etwas falsch ist.

Weder an Kriegen, Hass, Gier, Hochmut, Gewalt, Schmerz, Leid noch an Dummheit, Neid, Missgunst oder Einsamkeit ist etwas falsch, denn sonst würde es nicht existieren. Es ist zwar alles eindeutig sehr viel schlechter, als Liebe, Mitgefühl, Frieden, Zufriedenheit und Freude, aber das eine als falsch und das andere als richtig zu betrachten, ist genau die Falle des Dualismus.

Nehmen wir nur zum Beispiel einmal Schmerz. Der ist per Definition nicht nur unangenehm, sondern deshalb natürlich auch schlecht und falsch. Eigentlich ist aber Schmerz nichts weiter, als der Ausdruck eines Heilungsprozesses und damit auch etwas durch und durch Positives.
Nur unser dualistisches Einsortieren in die Schublade mit der Aufschrift FALSCH macht ihn zu etwas unannehmbaren und genau damit erst unerträglich. Es gibt einige Naturvölker, die das recht eindeutig bewiesen haben, und zwar auch ohne Drogen oder Pharmaka.

Der Nondualismus ist zwar nicht der Ausweg aus jedem Leid, aber er relativiert es, indem er unsere Identifikation damit transformiert. Aus nicht dualistischen Perspektiven unterscheidet man nicht mehr unbewusst zwischen Ich und Leid und erschafft deshalb nicht mehr die unerträgliche Spannung, die damit einher geht.
Im Gegenteil, man löst die Spannung auf durch bewusste Identifikation mit dem Leid. Wenn ich das Leid bin, kann es mir gar nichts mehr anhaben. So einfach ist das!

Deswegen ist der ganze dualistische Kampf gegen das Böse auf der Welt, aber auch für das Gute, vollkommener Quatsch. Man kann dabei nur verlieren. Weil die gesamte Existenz nur auf der Spannung zwischen Gegensätzen beruht. Die eine Seite ausradieren zu wollen, ist wie wenn man an dem Ast sägt, auf dem man sitzt.

Ich weiß natürlich, dass ihr alle "das Richtige" tun werdet. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Weil aus nicht dualistischer Perspektive Richtig und Falsch sowieso nur zwei Seiten sind, die allem inne wohnen.

Deswegen wünsche ich euch allen weiterhin ein erfüllendes Dasein, in der Dualität oder in der Nondualität, ganz nach Geschmack.


Alles Liebe.   *INLOVE*

रोलन्द् बब