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Thema: Bewusstseinsentwicklung

Ein immer wieder, oft auch in spirituellen Kreisen recht emotional diskutiertes Thema ist die Entwicklung des individuellen Bewusstseins.

Es wäre einfältig, zu leugnen, dass es Perspektiven gibt, aus denen keine Entwicklung des Bewusstseins stattzufinden scheint. Diese Perspektiven sind im Rahmen der betrachteten Fakten unumstößliche Wahrheiten. Solche Perspektiven existieren auch auf der spirituellen Ebene.

Da wäre zum Beispiel die Perspektive eines erwachten Menschen, der sein individuelles Bewusstsein in einer spirituellen Erfahrung als illusionär erkannt hat. Für ihn erscheint die ganze persönliche Geschichte, also seine scheinbare Entwicklung zum erwachten Wesen, wie ein langer, oft unangenehmer und beschwerlicher Traum, aus dem er endlich aufgewacht ist.

Aber es wäre ebenso einfältig, den ganzen Weg dahin zu leugnen. Die ganze Entwicklung des eigenen Bewusstseins als bloße Einbildung zu verwerfen bedeutet, einen wesentlichen Teil vom eigenen Selbst zu leugnen und führt dadurch unweigerlich in eine Regression.
Bereits gemachte Erfahrungen und gesammelte Erkenntnisse können nicht einfach verworfen oder für wertlos erklärt werden, ohne tiefe innere Spaltungen zu erzeugen, die so lange zur Wiederholung der Erfahrungen führen, bis sie sowohl rational als auch emotional sinnvoll integriert werden.

Das erklärt, warum es Menschen gibt, die bereits tief in ihr wahres Wesen eingetaucht sind,  tiefe, transformierende Erfahrungen gemacht und bedeutende Erkenntnisse gewonnen haben, aber dennoch immer wieder die gleichen oder ähnliche sehr leidvolle Erfahrungen machen und in scheinbar unerklärliche äußere und innere Konflikte geraten.

Der einzige Ausweg aus diesem Dilemma ist die nicht-dualistische Betrachtung der individuellen Entwicklung. Es erscheint nur aus der Perspektive eines sich zur Stellungnahme gezwungen sehenden Verstandes als Widerspruch, schon immer ins kosmische Gewahrsein eingebettet zu sein und sich dennoch als abgetrenntes Individuum zu erleben.

Bewusstseinsentwicklung findet statt, auch wenn es aus nicht identifizierten Perspektiven mitunter illusionär erscheinen kann. Die identifizierten Perspektiven, in denen man lernt, Kenntnisse und Fähigkeiten erwirbt, die man zuvor nicht hatte, sind deswegen nicht weniger real.
Auch wenn in uns die tiefe Sehnsucht schlummert, endlich anzukommen und von allem Leid befreit zu leben, reicht es nicht, nach einer oder mehreren tiefen Erfahrungen des Erwachens einfach jede Entwicklung zur Täuschung zu erklären.

Selbst wenn jedes Erwachen nur eine Erinnerung an unseren schon immer erleuchteten, in die ewige Glückseligkeit und kosmische Geborgenheit eingebetteten Zustand ist, gehört der Weg dahin zum ganzen Sein ebenso dazu, wie er nur ein Traum war. Es nützt nichts, sich an den Zustand der Erhabenheit zu klammern, denn solange wir auch nur einen einzigen Schritt auf dem Weg dahin leugnen oder gering schätzen, werden wir unweigerlich wieder herunter gezogen.


Alles Liebe.   *INLOVE*

रोलन्द् बब