1

Thema: Integrale Sichtweisen

Integrale Sichtweisen sind Perspektiven, die scheinbare Widersprüche in individuellen Ansichten von Menschen auflösen, indem sie diese nicht verwerfen, sondern um ein tiefes Verständnis des Kontext bemüht sind und die verschiedenen Ansichten im Rahmen ihrer spezifischen Gültigkeit und dem kosmischen Gesamtzusammenhang neu bewerten.

Fremde oder unangenehme Ansichten zu verwerfen ist ein vollkommen natürlicher Vorgang, der in der individuellen Entwicklung eine sehr wichtige, identitätsstiftende Rolle spielt. Ab einem gewissen Grad der Entwicklung des Bewusstseins kann dieses Verhalten jedoch beim weiteren Weg sehr hinderlich sein und sich sogar regressiv auswirken.

Es bleibt natürlich immer der bequemere Weg, allem Unerwünschten gegenüber eine ablehnende Haltung anzunehmen, aber die Mühe der Integration unerwünschter Ansichten führt immer zu einem tieferen Verständnis der kosmischen Zusammenhänge und somit zu einem erweiterten Bewusstsein.

रोलन्द् बब

2

Re: Integrale Sichtweisen

Also vereinfacht.
Widersprüche können auftreten sind aber als Teil des Ganzen zu verstehen?
Mein persönlicher Standpunkt ist der, das das Ganze, das Eine, Gott, etwas Perfektes ist.
Etwas das alles Umfasst was ist (und nicht ist).
Das Ganze ist göttlich und Perfekt.
Ein Teil des Ganzen widerrum kann auch von einem persönlichen Standpunkt aus als unvollkommen wahrgenommen werden.
Eine Krankheit oder Krieg zb.
Aber das ändert nichts daran das das Ganze trotzdem Perfekt ist.
Mit dem Verstand ist das nicht zu begreifen.
Manchmal erscheint mir das Paradox. Also zwei Gegensetze die doch Eins sind, als die einfachste Beschreibung des göttlichen.
Erstaunlich finde ich auch das wenn ein Zustand des Nichtdenkens entsteht und sei es nur für einen kurzen Moment, ist im gleichen Augenblick...Frieden, Ruhe, Stille und Göttlichkeit.
Meine Existenz ist Paradox. Ich kann Meinungen haben. Wertungen und Beurteilungen anstellen und doch weiß ich, das in dem Moment wo ich die Gedanken wertungsfrei betrachte, oder sogar in einen Raum von Nichtdenken gelange, die Bedeutung meiner Gedanken und Taten verschwinden.
Sie lösen sich auf und existieren nicht länger.
Je mehr ich über Paradoxien schreibe, desto mehr fange ich an sie zu lieben.^^
Liebe Grüße!

3

Re: Integrale Sichtweisen

Lieber Thorsten,

ich freue mich, dass wir vieles auf die gleiche Weise sehen. Teile UND Ganzes ergeben oft erst als Einheit einen tieferen Sinn.

Wer sich zu sehr ins Detail ziehen lässt, verliert leicht den Überblick und verstrickt sich in Widersprüche, während die einseitige Konzentration auf das Ganze zu großer Einsamkeit oder völliger Teilnahmslosigkeit führen kann.

Ich mag allerdings die Hoffnung nicht aufgeben, dass dies alles doch auch mit dem Verstand zu begreifen ist, wenn man ihn konsequent ausschöpft und mit dem Herzen in Einklang bringen kann - was mir bisher auch immer einigermaßen gelungen ist, wenn auch oft erst nach vielen Versuchen und unter großen Anstrengungen.

Du erwähnst da einen Zustand (?) des Nichtdenkens, in dem sich scheinbare Widersprüche der Alltagsperspektive einfach auflösen. Ich kenne diesen Zustand auch und weiß seine Qualitäten sehr zu schätzen. Daher würde es mich sehr interessieren, wie du diesen Zustand erreichen kannst, wie du ihn dann erfährst und welche Selbstwahrnehmung du dabei hast.

Aber ich denke, dafür sollte man ein eigenes Thema "Nichtdenken" eröffnen.

Liebe Grüße

रोलन्द् बब

4

Re: Integrale Sichtweisen

Zurück zum Thema Integrale Sichtweisen:

- hier ein kleiner Auszug aus dem Wikipedia-Artikel Integrale Theorie:

Die integrale Theorie, integrale Weltsicht oder auch integrale Philosophie ist eine Weltanschauung, die versucht, eine umfassende Sicht des Menschen und der Welt zu entwickeln, die prämoderne, moderne und postmoderne, östliche und westliche Weltsichten sowie spirituelle Einsichten und wissenschaftliches Denken vereint. Vertreter der integralen Theorie sind unter anderem Aurobindo Ghose, Jean Gebser...

weiterhin ist dort zu lesen:

Es bestünde die Aufgabe eines integralen Theoretikers nicht darin, alle existierenden Theorien zu betrachten und zu entscheiden, welche davon „richtig“ sei. Vielmehr müsse er erklären, in welchem Kontext die Gesamtheit dieser Ideen „richtig“ sein könne. Denn all diese Theorien in Wissenschaft, Kunst und Spiritualität würden ja tatsächlich praktiziert und man müsse daher nach der Struktur des Kosmos fragen, der ein Aufkommen so vieler grundverschiedener Disziplinen gestatte. Es sei also die Frage nach der Architekur des Universums selbst zu stellen.

und ferner:

Ein weiterer wichtiger Aspekt integraler Theorie besteht darin, zwischen den verschiedenen Ansätzen zur menschlichen Subjektivität zu vermitteln. So wird einerseits davon ausgegangen, dass das individuelle Ich oder Ego nicht die höchste Qualität menschlicher Handlungsfähigkeit darstellt, sondern in einem komplexeren transpersonalen Selbst aufgehen kann, das auch die anderen Wesen im eigenen Denken, Fühlen und Handeln berücksichtigt. Andererseits wird jedoch die Bedeutung des Ich als zentrale Instanz individueller Handlungsfähigkeit betont und sich damit von spirituellen Ansätzen abgegrenzt, welche das Ich in universeller Einheit auflösen möchten.

Ich sehe darin, wie in kaum einer anderen philosophischen Richtung, einen Ansatz, den Kosmos wirklich als Ganzes zu verstehen und keine seiner Erscheinungen zugunsten persönlicher oder kollektiver Vorurteile, Konzepte oder Anschauungen zu verwerfen.

Wie Thorsten es in seinem letzten Beitrag schon sehr gut zum Ausdruck gebracht hat, kann nach meiner Ansicht der Kosmos nicht als ganzes erkannt werden, solange man auch nur eine einzige Erscheinung als falsch betrachtet. Hier ist der ganze Mensch gefordert, sich selbst und die Welt mit Herz und Verstand zu betrachten und sich voreiligen Schlüssen zu enthalten.


Liebe Grüße

रोलन्द् बब