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Thema: Interpretationssysteme

Wir probieren im Verlauf unserer Entwicklung verschiedene Interpretationssysteme aus, die alle in sich geschlossene, absolut reale Erlebniswelten erzeugen. Dem Kosmos ist es dabei egal, nach welcher Ordnung wir uns in den Erscheinungen und Ereignissen orientieren - Hauptsache, eine Ordnung.

Man könnte natürlich nicht von einer Entwicklung sprechen, wenn sich dabei nicht auch die Qualität der Ordnung verbessern würde. So ist ein religiöses Interpretationssystem besser, als ein magisches, ein rationales besser als das magische und das spirituelle besser als das rationale, weil sie jeweils mehr erklären und annehmen können, als das vorangegangene.

Jeder Übergang von einer Ordnung in die nächsthöhere erfordert eine komplette Neubeurteilung der bisherigen Werte. Solange diese nicht abgeschlossen ist, wird man häufig von Widersprüchen geplagt, die sich zwischen den Werten der neuen Ordnung und unbewusst mit in sie hinein getragenen alten Werten auftun.

Schlimmer wird es allerdings, wenn man Werte der alten Ordnung vollkommen verwirft. Sie waren lange Zeit unverzichtbarer Teil unserer Persönlichkeit und haben uns Halt und Orientierung geboten. Man kann sie nicht einfach durch etwas neues ersetzen, ohne diese Persönlichkeitsanteile und damit ein Stück von uns selbst zu verlieren.
Das erzeugt eine innere Spaltung in unserem Bewusstsein, die meist zu ernsten Persönlichkeitsstörungen führt.

Da dem Kosmos egal ist, welcher Ordnung sich jemand anschließt, sollte es uns das auch sein. Es macht absolut keinen Sinn, jemandem Halt und Orientierung zu rauben, weil man meint, er sei in seiner Entwicklung hängen geblieben.

Etwas anderes ist es dagegen, wenn Menschen hilflos zwischen den Entwicklungsebenen treiben und dadurch immer wieder in tiefes Leid gezogen werden. Hier kann ein wenig Unterstützung bei der Neueinschätzung alter Werte und Festigung der neuen wahre Wunder wirken.
Kritisch wird es allerdings, wenn geliebte Menschen geradezu verzweifelt an den Werten ihres alten Interpretationssystems festhalten und sie mit den Werten des neuen absolut nicht in Einklang bringen können. Besonders, wenn sie bereits auf der spirituellen Ebene angekommen sind und noch immer tiefe innere Konflikte zwischen Werten der magischen und religiösen oder der religiösen und der rationalen Ebene mit sich herum schleppen.
Der Zwang, sich an die alten Werte zu klammern, rührt meist daher, dass sie beim Übergang verworfen wurden, anstatt sie zu transformieren und integrieren.

Da reicht es oft nicht aus, die Widersprüche bewusst zu machen und Vorschläge zur Transformation zu liefern, weil mächtige Gewohnheiten meist sehr schwer zu überwinden sind. Oft hilft nur eine Langzeittherapie mit gezielten Übungen, die die alten Wertvorstellungen auf allen Bewusstseinsebenen gemeinsam mit den neuen in ein harmonisches Gesamtsystem integrieren.

Da in der rationalen Ebene der Verstand über das Herz dominiert, schießen viele Menschen beim Übergang in die spirituelle Ebene über das Ziel hinaus und verwerfen viele rationale Erkenntnisse vollkommen, um nur noch von Liebe und vom Herz zu schwärmen.
Die unvermeidliche Folge ist, dass der Verstand zu kurz kommt und sie dadurch aus dem Gleichgewicht geraten - sie sehen sich von ihren Gefühlen hilflos hin und her gerissen.
Schon der kleinste Anlass kann sie tief in unkontrollierbare Wut und Ängste stürzen, ja selbst ohne erkennbaren Anlass entgleitet ihnen immer wieder vollkommen die Kontrolle. Weil sie Herz und Verstand nicht in Einklang bringen, sondern sich, größten Teils sogar ganz bewusst, vollkommen ihren Gefühlen ausliefern.
Auch wenn das aufgrund der Unterdrückung vieler Gefühle auf der rationalen Ebene durchaus natürlich erscheint, sind die Folgen für alle Beteiligten oft weniger schön.

Ich kann nur immer wieder darauf hinweisen, wie sinnlos ein solches Unterfangen ist. Man kann Gefühle nicht ausleben, denn jedes einzelne Gefühl ist unerschöpflich, ein Fass ohne Boden. Es hat einen ebenso geringen Wert, wie sich ständig gegen alle aufkommenden Gefühle aufzulehnen und damit von einem wesentlichen Teil des eigenen Selbst abzutrennen.

Wir kommen nicht umhin, den Verstand liebevoll zu umarmen und aus der rationalen Ebene mitzunehmen, um ihn, seines Thrones beraubt, in vollkommener Harmonie neben das Herz zu stellen. Ohne Verstand können wir nie beurteilen, ob das Nachgeben eines Gefühls uns nicht in bodenlose Tiefen zieht.

Vorläufiges Fazit ist für mich, dass sich verschiedene Interpretationssysteme nicht einfach wahllos ungestraft vermischen lassen. Nur wenn wir ganz bewusst mit Verstand und Herz alle alten Werte hinterfragen und ihnen einen Platz in der neuen Ordnung geben, der keine Widersprüche mehr erzeugt, können wir in Harmonie leben und die ewige Glückseligkeit als unseren dauerhaften Grundzustand erfahren.




Alles Liebe.  *INLOVE*  <= Das ist kein Ausdruck von Wut, sondern von echter Liebe und tiefem Mitgefühl für alle fühlenden und besonders alle leidenden Wesen.

रोलन्द् बब