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Thema: Konflikte

Die Alltagsebene ist ohne Konflikte nahezu undenkbar. Ohne Konflikte hätten die Menschen kaum einen Grund, sich weiter zu entwickeln und über sich selbst hinaus zu wachsen. Konflikte verleihen Identität und geben dadurch Halt, fordern heraus und bieten die Chance, sich über andere zu stellen.
Das Leben unter den normalen Menschen ist nichts für konfliktscheue Wesen, sie sind im Kloster besser aufgehoben. Im Alltag legt man sich besser einen dicken Panzer zu, sonst wird man von den lieben Mitmenschen aufgerieben. Was dann ja häufig genug auch körperlich zum Ausdruck kommt.

Doch auch auf der spirituellen Ebene gibt es noch Konflikte, wenn auch mit der Zeit immer weniger. Mit dem Erreichen der spirituellen Ebene ist ja noch niemand sofort ein Heiliger, sondern der Schwerpunkt der persönlichen Identifikation liegt meist noch immer irgendwo in der Alltagsebene. Die weitere Entwicklung der Persönlichkeit zum wahrhaftigen spirituellen Wesen erfordert nach wie vor Herausforderungen, und wenn man nicht von sich aus daran arbeitet, sorgen die entstehenden Konflikte ganz automatisch dafür.

Aber auch sehr weit entwickelte spirituelle Wesen erleben immer noch Konflikte. Das konnte ich selbst bei seiner Heiligkeit Sri Sri Soham Baba 1008 beobachten. Nur verschiebt sich auf der spirituellen Ebene die Bedeutung der Konflikte vollkommen.
Sie dienen nicht mehr dazu, dem Ego Halt zu verleihen oder es über andere zu stellen, sondern werden zum Indikator für die eigene Spiritualität. Sie zeigen uns die Integrationsfähigkeit für andere Standpunkte als die eigenen und den Grad der Bewusstheit der persönlichen Identifikation.

Wenn wir gelassen und sachlich unsere Perspektive vertreten können und andere Perspektiven anhand ihres Wertes einschätzen, anstatt sie komplett verwerfen zu wollen, dürfen wir uns durchaus als spirituell bezeichnen.
Entgleitet uns aber die Kontrolle, sodass wir in eine zwanghafte Verteidigungsrolle geraten und den Respekt vor unserem gegenüber verlieren, dann sind wir definitiv zumindest vorübergehend schwerpunktmäßig in die unbewusste Identifikation und damit zurück auf die Alltagsebene gerutscht.

Das bedeutet jedoch nicht, dass wahrhaftig spirituelle Menschen sich niemals mehr aufregen. Sie sind sich jedoch in jedem Stadium ihrer Aufregung voll bewusst und können jederzeit damit wieder aufhören. Was man von einem unbewusst identifizierten Menschen kaum behaupten kann. Es gelingt den Meisten selbst unter Aufbietung ihres ganzen Willens kaum, das weitere Hineinsteigern zu verhindern.

Jeder Konflikt im Außen, von dem man persönlich getroffen ist, ist der Ausdruck eines inneren Konflikts, eines inneren Widerspruchs, der das Bewusstsein spaltet und ins Ungleichgewicht bringt.
Die Projektion ins Außen ist eine freundliche Einladung des Selbst, sich dessen bewusst zu werden und den Widerspruch zu transformieren. Das geschieht meist so lange immer wieder, bis der Widerspruch aufgelöst und damit das Gleichgewicht wiederhergestellt ist.
Wer also in einem Konflikt gewinnt, ist definitiv immer der Verlierer, weil er seine selbst gestellte Aufgabe nicht gelöst hat.

Mir ist jeder Konflikt willkommen, denn ich lerne dabei immer etwas über mich selbst.


Alles Liebe.  *INLOVE*

रोलन्द् बब