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Thema: Ich bitte euch, bleibt wach!

Ich gehe jetzt ganz frech einmal davon aus, dass sich nur wache Menschen hier her verirren. Deshalb wünsche ich euch allen, hier nur fehlende Teile eures Weltbild-Puzzles und Bestätigung zu finden.

Aus eigener Erfahrung und Beobachtung der Menschen um mich herum weiß ich, wie leicht es ist, von einem Moment auf den anderen wieder vollkommen in der unbewussten Identifikation zu versinken. Und schon wird aus dem geilen Film ganz unversehens wieder das harte, wirkliche Leben.

Weil ich das niemandem wirklich wünsche, bitte ich euch alle, achtsam zu sein und wach zu bleiben. Denn sonst verliert das Sein seinen spielerischen Charakter und seine Leichtigkeit.

Was bedeutet wach sein eigentlich wirklich? Auch und gerade in spirituellen Kreisen sieht man das sehr gerne vollkommen dualistisch als Gegensatz zu einem mehr oder minder unbewussten Zustand. Ich differenziere da lieber ein wenig und gehe davon aus, dass jeder Mensch, der sich zu einem gewissen Grad seiner Selbst bewusst ist, durchaus als wach bezeichnet werden kann.
Ganz offensichtlich sind wir aber nicht alle immer gleich wach, sondern es scheint so etwas wie ein lineares Maß an Wachsamkeit die eigene Person betreffend zu existieren.

Soweit ich das zu erkennen vermag, befindet sich kein Mensch dauerhaft auf irgend einem bestimmten Punkt dieser Skala, auch wenn sich nach oben hin die Bewegungen erheblich zu verringern scheinen. Das wird dann leider häufig als ein Verlust an Lebendigkeit gesehen (besonders von Leuten, die auf der Skala hilflos hin und her gerissen werden), was es aus meiner Perspektive aber keineswegs ist.

Die beiden bedeutendsten Fragen in diesem Zusammenhang dürften sein: wie gelangt man nach oben auf der Skala und wie kann man dort verweilen? Darüber wurden schon zahllose Bücher geschrieben, werden Kurse gegeben, Filme gedreht und ein ganzer Wirtschaftszweig lebt davon.
Wer sich also noch tiefer in die unbewusste Identifikation ziehen lassen oder Geld und Selbstachtung loswerden will, wird heute schnell fündig. Ich meine dagegen, man muss es nur hier und jetzt von ganzem Herzen wollen.

Alles, was Hilfe von außen zu leisten vermag, sei es durch Gurus, Lehrer, Meister, Psychologen oder Lebensberater, ist eine Resonanz zu erzeugen mit dem, was schon in uns angelegt ist. Der Preis dafür ist meist ein Schlag für das Selbstbewusstsein und damit leider wieder mehr unbewusste Identifikation.
Da aber letztendlich alles eine Frage der Perspektive ist, kann unter Umständen eine Erinnerung oder Bestätigung von außen dennoch sehr hilfreich sein. Das hängt jedoch im Wesentlichen davon ab, wie wach wir schon sind und erkennen können, dass die vermeintliche Unterstützung von außen nur hilft, unser Inneres im Äußeren wiederzuerkennen und uns selbst dadurch wieder ein Stück mehr zu erkennen und anzunehmen.

Schließlich bleibt mir noch zum Schluss zu erwähnen, das die Wachsamkeit eine nach oben offene Skala ist. Ganz egal, wie sehr wir auch im Gewahrsein ruhen, gibt es für die individuelle Identifikation, unsere Persönlichkeit, immer noch mehr anzunehmen und zu würdigen. Das Leben ist ein einziges, langes Erwachen, und wer glaubt, schon am Ende angelangt zu sein, träumt auch das nur und wird früher oder später meist unsanft daraus erwachen.
Das spirituelle Erwachen zu Lebzeiten ist nichts anderes, als zu erkennen, dass ein Teil von uns noch immer träumt, und diesen vollständig zu integrieren, ohne sich unbewusst mit ihm zu identifizieren. Man könnte es also als eine wichtige Schwelle ansehen, deren Überschreitung uns völlig neue Perspektiven eröffnet und unserem weiteren Erwachen einen enormen Schub geben kann. Aber man kann auch eine ganze Weile da hängen bleiben.

So wünsche ich denn uns allen weiterhin frohes Erwachen, obwohl wir schon immer ganz wach sind.


Alles Liebe.   *INLOVE*

रोलन्द् बब