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Thema: Schlechtes Gewissen? Nutze es!

Aus Perspektiven mit egozentrischer Grundhaltung ist Gewissen nichts anderes, als eine geschickte Methode, andere zu manipulieren. Man kann nicht anders, als es zu verurteilen und sich nach Kräften dagegen zu wehren. Auf einer bestimmten geistigen Entwicklungsstufe ist das vollkommen normal. Für Menschen, die einen gewissen Anspruch darauf erheben, spirituell zu sein, ist es jedoch unumgänglich, das Gewissen aus einer etwas differenzierteren Perspektive zu betrachten.

Für unbewusst identifizierte Menschen ist Gewissen ein Hindernis, sich frei entfalten zu können. Dabei spielt es natürlich gar keine Rolle, wie es zustande kommt. Es wird als störend empfunden, und das Letzte, worauf man käme ist, dass es in einem Selbst entstanden ist und man damit auch voll und ganz selbst dafür verantwortlich ist. Es bleibt einem praktisch gar keine andere Wahl, als im Außen den Grund dafür zu suchen.

Aus spirituellen Perspektiven hat Gewissen allerdings wenig mit Manipulation zu tun. Es entsteht immer dann, wenn wir unseren eigenen Maßstäben, die wir an menschliches Verhalten anlegen, nicht gerecht werden können. Man kann es durchaus als Ausdruck von Karma betrachten.
Es dient damit dazu, das Gleichgewicht zwischen dem eigenen Bewusstsein und dem Kosmos aufrecht zu erhalten oder es wiederherzustellen.

Die natürliche Reaktion eines unbewusst identifizierten Menschen auf sein schlechtes Gewissen ist, seine Taten, die dem eigenen Wertmaßstab nicht gerecht wurden, vor sich Selbst zu rechtfertigen. Wenn das den Betroffenen gelingt, scheint die Welt zunächst wieder in Ordnung. Es sieht ganz so aus, als hätte man eine plausible Begründung für eine Ausnahmeregelung gefunden, sich gegen die eigenen Wertmaßstäbe zu verhalten, ohne sie verwerfen zu müssen.
In Wahrheit hat man aber nur einen Weg gefunden, den von unseren nach eigenem Maßstab falschen Handlungen Betroffenen die Schuld zu geben.

Was man dabei in seiner unbewussten Identifikation nicht erkennt ist, dass dadurch eine innere Spaltung entstanden ist, die durch die faule Ausrede nur ausgeblendet, jedoch keineswegs beseitigt wird. Der eigentliche Grund für das schlechte Gewissen ist, dass man etwas oder jemanden so behandelt hat, wie man selbst unter keinen Umständen behandelt werden möchte, und dafür gibt es keine gültigen Ausreden. Das Gewissen plagt uns so lange weiter, bis wir uns unseren Fehler eingestehen.

Und damit allein ist es noch nicht erledigt, denn das, was wir getan haben, haben wir nicht nur einem äußeren Objekt oder einer Person angetan, sondern auch uns selbst. Auch wenn es uns gelingt, uns selbst mit fadenscheinigen Ausreden unser Handeln zu verzeihen, bleibt die Tatsache bestehen, dass wir uns in unserem Bewusstsein von dem betroffenen Objekt abgespalten haben und damit ein dauerhafter, unbewusster, innerer Riss in unserer Persönlichkeit entstanden ist.

Um wieder ganz in unser inneres Gleichgewicht zu kommen, müssen wir den äußeren Anteil unseres eigenen Selbst wieder re-integrieren, indem wir die Handlung vollständig wiedergutmachen. Sonst bleibt es bei der inneren Spaltung, und die wird uns unweigerlich früher oder später wieder in eine ähnliche Situation führen oder uns selbst erleiden lassen, was wir getan haben. Und das bedeutet, dass wir nicht dauerhaft in der ewigen Glückseligkeit ruhen können.

Aus dieser Perspektive kann man das Gewissen, so unangenehm es auch mitunter in Erscheinung treten kann, als äußerst positiver Mechanismus zur Selbstregulierung zu betrachten, ohne den eine vollständig mit der Außenwelt harmonische Entfaltung nur sehr schwer denkbar wäre. Damit ist eigentlich klar, dass ein aus egozentrischer Sicht vollkommen unerwünschtes Gewissen aus einer etwas weiteren Perspektive transformiert und ihm ein deutlich angemessenerer Wert zugeordnet werden kann

Gewissen hat natürlich auch eine spirituelle Komponente. Da die durch unsere Handlungen mitunter ausgelöste innere Spaltung unserer Persönlichkeit nur der sekundäre Ausdruck einer primären Abspaltung unseres Bewusstseins vom GEIST, dem eigentlichen Grund und der Ursache unseres ganzen Seins ist, kann auch die Re-Integration der ins Außen projizierten Betroffenen nur eine vorübergehende Lösung sein.

Psychologische Ansätze, die durch das Gewissen verursachte innere Spaltung und damit dauerhafte Spannung zwischen Ich und Welt zu beheben, sind äußerst wertvoll, denn sie führen zurück in einen entspannten Zustand, von dem aus weitere geistige Entwicklung und damit unter anderem die Erkenntnis der Hintergründe des Gewissens überhaupt erst wieder möglich wird.

Aus spiritueller Sicht müssen wir aber noch einen Schritt weiter gehen. Die dauerhafte Rückkehr in das reine Sein, die ewige Glückseligkeit, wird erst möglich, wenn auch die primäre Abspaltung vom GEIST überwunden wird.

Auch hier kann das Gewissen wieder als äußerst hilfreich betrachtet werden. Solange wir nicht voll im Bewusstsein von Nicht-Zwei zwischen GEIST und Ich handeln, werden wir immer noch nicht allen Maßstäben unseres wahren Selbst voll und ganz gerecht. Die Folge ist ein unweigerliches, wenn auch mitunter sehr schwer zu erfassendes schlechtes Gewissen.
Es ist zwar paradox, aber auch wenn all unsere Handlungen Ausdruck des GEISTs sind, ist es für unser Bewusstsein von entscheidender Bedeutung, ob wir uns dessen auch voll und ganz gewahr sind - und wenn nicht, handeln wir nicht im GEIST und verletzen uns damit unbewusst selbst (und häufig auch andere).

In Abhängigkeit davon, wie sehr man unbewusst identifiziert ist, kann es mitunter sehr schwer sein, den Grund für die durch diese spezielle Form des Gewissens ausgelösten Gefühle des Unwohlseins zuzuordnen.

Manchmal drückt es sich einfach nur in einer tiefen Sehnsucht nach etwas aus, was nicht benennen können.

Natürlich ist das Gewissen, ebenso wie alle dadurch ausgelösten Gefühle und Vorstellungen, Ausdruck des GEISTs, der sich durch uns manifestiert. Und erst wenn wir aus diesem Bewusstsein heraus handeln, sind unsere Taten ehrlich, gerecht und werden uns Selbst gerecht.



Alles Liebe.   *INLOVE*

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Re: Schlechtes Gewissen? Nutze es!

Wie es scheint, ist das Gewissen kein beliebtes Thema, denn den vorangegangenen Beitrag hat kaum jemand gelesen.

Daher möchte ich noch einmal deutlich auf die gesunde, heilende Natur des Gewissens als Selbstregulierungsmechanismus des Bewusstseins hinweisen. Es drängt uns zur Erkenntnis unserer Fehler, die aus kosmischer Perspektive zwar auch nur Ausdruck des einen GEISTs sind, uns Selbst und das Verhältnis zur Welt und unseren Mitmenschen jedoch ganz erheblich belasten können.

Es scheint auch gemeinhin unterschätzt zu werden, dass aus spiritueller Perspektive jede Form von Unzufriedenheit als schlechtes Gewissen gesehen werden kann, denn darin drückt sich fast immer eine unbewusste Identifikation aus, die dem GEIST und damit unserem wahren Selbst nicht gerecht wird.

Natürlich will ich hier nicht dazu auffordern, sich unbewusst mit einem schlechten Gewissen zu identifizieren. Ganz im Gegenteil möchte ich ins Bewusstsein rufen, wie positiv sich das Gewissen auswirken kann, wenn wir es in unseren Motiven erkennen und seines wahren Zwecks und damit seines hohen Wertes klar werden, und es zu nutzen.

Ich wünsche allen ein entspanntes Ruhen im Reinen sein, in der ewigen Glückseligkeit, denn nur dort kann man wirklich ein gutes Gewissen haben. Vermutlich rührt daher die im Buddhismus verbreitete Ansicht, man könnte keine endgültige Befreiung erfahren, solange noch irgend ein fühlendes Wesen leidet, der ich mich durchaus anschließen kann.


Alles Liebe.   *INLOVE*

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