1

Thema: Spiritualität - schon wieder, Kurzform

  • Spiritualität bedeutet nicht, dass alles gleichwertig ist. Aus der Sicht einer spirituellen Person herrscht im Kosmos eine komplexe Ordnung, nicht das Chaos. Jede Erscheinung hat ihren eigenen Wert und steht in Beziehung zu allen anderen Erscheinungen.
    Die spirituelle Ebene umschließt und enthält die gesamte Alltagsebene. Alle Erscheinungen der Alltagsebene sind auch Bestandteil der spirituellen Ebene, nur werden die Erscheinungen beim Übergang transformiert und ihre Bedeutung dadurch relativiert. Auf der Alltagsebene scheinbar gleichwertige Erscheinungen werden auf der spirituellen Ebene erheblich differenzierter wahrgenommen, weshalb ihre unterschiedlichen Werte oft erst auf der spirituellen Ebene erkennbar werden.
    Daher sind nicht automatisch alle Erscheinungen spirituell, sondern immer auch nicht spirituell, je nach Ebene, aus der sie wahrgenommen werden.

  • Es ist ganz eindeutig nicht spirituell, wenn du an etwas hängst, ganz egal, ob das Glaubenssätze, Menschen, Dinge, Gewohnheiten oder Drogen sind. Ein identifiziertes Wesen, was wir ja alle sind, das sich seines vollkommen freien Geists bewusst ist, hängt an nichts. Auch nicht am an nichts hängen. Wenn die Summe von allem, woran du hängst, in deinem Leben überwiegt, bist du nicht spirituell.

  • Es ist eindeutig nicht spirituell, wenn deine Motive egozentrisch sind. Auf der spirituellen Ebene verwirklicht man die Dinge, die einem auf dem Herzen liegen, indem man Wege sucht und findet, die auch alle Anderen weiter bringen oder zumindest niemandem schaden oder ihn verletzen

  • Die Grenze zwischen spiritueller Ebene und Alltagsebene ist nicht statisch. Alle Menschen erleben von Klein auf immer wieder spirituelle Momente mit tiefen Erkenntnissen und großer Freiheit, die von einer Leichtigkeit und Glückseligkeit begleitet sind. Und spirituelle Menschen können immer wieder in unbewusste Identifikation abgleiten, in der sie sich ohnmächtig und hilflos fühlen.

  • Man kann einen Menschen erst dann als spirituell bezeichnen, wenn er sich die überwiegende Zeit seiner Identifikation mit seiner Person voll bewusst ist. Wenn er sich nicht mehr von seinen Gedanken und Gefühlen kontrolliert lässt, sondern seine Entscheidungen hauptsächlich bewusst und aus tiefer Einsicht in die kosmischen Zusammenhänge mit großem Verständnis, Liebe und Mitgefühl für alle fühlenden Wesen trifft, hat ein Mensch diese Bezeichnung verdient.

Das ist jetzt doch wieder länger geworden, als ich mir vorgestellt habe und berücksichtigt nicht alle Aspekte der langen Version. Und erst recht nicht alles, was ich dazu zu sagen hätte. Mit diesem Thema könnte ich ein ganzes Buch füllen. Und beim Reflektieren und Ausdrücken meiner Gedanken entstehen ständig noch neue Einsichten.

Die sehr dualistisch anmutende Unterteilung in Alltagsebene und spirituelle Ebene habe ich absichtlich gewählt, um die aus dem Gewahrsein erkennbaren Sachverhalte einigermaßen verständlich darstellen zu können. Es ist, wie ich schon angedeutet habe, wesentlich komplexer, weil diese Ebenen zwar existieren, aber dynamisch sind und im Bewusstsein eines identifizierten Menschen vermischen.
Ich will hier ja eigentlich auch keine exakte Definition liefern, sondern einen Anstoß, sich sein eigenes Bild davon zu machen. Die Zusammenhänge sind mit dem richtigen Einsatz von Phantasie und Verstand erkennbar und können durch Meditation überprüft werden. Die wichtigste Voraussetzung ist allerdings wohl, dass man ehrlich zu sich selbst sein kann und es auch tut.


Alles Liebe.

रोलन्द् बब