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Thema: Spirituelle Praxis

Spirituelle Praxis, so wie sie heute meist betrieben wird, ist vollkommen nutzlos. Man geht, egal, ob Lehrer oder Schüler, zu einem besonderen Zeitpunkt an einen besonderen Ort, übt Yoga oder Meditation, verbindet sich (oder auch nicht) mit dem kosmischen Sein, um dann danach sofort, oder nachdem man noch eine Zeit lang in seinem Hochgefühl geschwelgt hat, in seinen Alltag und seine Psychosen zurück zu kehren.

Dabei ist es seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar seit Jahrtausenden bekannt, dass sich echte Spiritualität nicht institutionalisieren lässt. Sie hat keine besondere Zeit und keinen besonderen Ort, sondern ist immer und überall. Wenn wir nicht völlig von ihr durchdrungen sind und wir uns ihrer nicht in jedem Moment gewahr sind, machen wir uns nur etwas vor.

Spiritualität ist kein Nebenjob und keine Freizeitbeschäftigung wie Sport oder Fernsehen. Wir können nur dauerhaft im reinen Sein verweilen, wenn wir Spiritualität zum eigentlichen Sinn und Ziel unseres Lebens machen. Nur wenn wir das tun, wenn wir wirklich bereit sind, alles für das reine Sein zu geben, kann und wird spirituelle Praxis etwas bringen. Alles andere ist halbherzige Augenwischerei, Streben nach Anerkennung oder sich Selbst auf die Schulter klopfen.

Wenn wir aber Spiritualität zum Sinn und Ziel unseres Lebens machen, wird alles, was wir tun zur spirituellen Praxis. Dann erinnert uns jeder Augenblick, jede Begegnung, jede Erfahrung an unseren innersten Kern, an unseren vollkommen freien Geist, an die ewige Glückseligkeit, an das reine Sein.

In diesem Sinne wünsche ich eine gesegnete spirituelle Praxis, rund um die Uhr.


Alles Liebe.   *INLOVE*

रोलन्द् बब

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Re: Spirituelle Praxis

Nur noch mal zur Erinnerung: ich übe hier zwar ganz offensichtlich an vielen herrschenden Zuständen recht massiv Kritik, die aus bestimmten Perspektiven sehr berechtigt ist.

Es geht mir dabei jedoch nicht darum, diese Zustände oder bestimmte Personen zu verurteilen, sondern anhand von Vergleichen zu aufzuzeigen, dass man Vieles deutlich besser machen kann.

Das soll als Anregung dienen, sich selbst bewusster zu werden, mehr Achtsamkeit zu üben und neue Wege zu beschreiten, um die individuelle Verbindung zum reinen Sein, zur ewigen Glückseligkeit wieder vollkommen bewusst zu machen und zu vertiefen.


Alles Liebe.   *INLOVE*


P. S.: Falls jemand denkt, die im Einangsbeitrag erwähnten Zustände seien nur meine Vorstellung, ein Produkt meiner regen Phantasie:

Ich kenne tatsächlich Menschen, die sich für spirituell halten, darunter auch YogalehrerInnen, die sich ein paar mal die Woche ihr spirituelles Mäntelchen umhängen, Friede-Freude-Eierkuchen spielen und in ihrem Alltag ihre Eltern, Freunde, Geliebten, Nachbarn, Kassierer im Supermarkt, Fachverkäufer, Wirte und Menschen auf der Straße beleidigen, beschimpfen, über sie lästern, Hunde quälen, alles und jeden Verurteilen, ihre Geliebten betrügen und verlassen und / oder regelmäßig total ausrasten.

रोलन्द् बब

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Re: Spirituelle Praxis

Spirituelle Praxis bedeutet letztendlich nichts anderes, als zu üben, sich des GEISTs und dessen inniger Verbindung mit unserem Bewusstsein gewahr zu sein.
Wenn das nicht das einzige Motiv ist, weshalb wir praktizieren, und wir nicht vollständig alles andere aufgeben, solange wir praktizieren, ist es nichts anderes als alberne Spielerei und Egopflege.
Wer das nicht einsieht, handelt nur auf der Ebene der unbewussten Identifikation und hat keine Chance, sein Bewusstsein zu erheben und dauerhaft im im reinen Sein, in der ewigen Glückseligkeit zu verweilen.

Wenn ich mich hinsetze, um zu meditieren, fällt meine Verbindung zur Welt. Ich sitze im Lotossitz und zähle meine Atemzüge von 1 bis 108 und wieder zurück, während mein Verstand im Stillen ein Mantra des Hinduistischen Gottes Shiva, Govinda, Krishna oder Ram retzitiert, die für mich alle nur symbolisch für bestimmte Aspekte des GEISTs stehen.
Es gibt keine Absicht mehr, in mir oder der Welt irgend etwas zu bewirken, und meine sonstigen Gedanken kommen ganz allmählich vollkommen zum Erliegen, bis nur noch der Atem fließt und das ewige Mantra, an das ich mich vorübergehend angeschlossen habe, durch mein Bewusstsein zieht.

Nach einiger Zeit verschwindet schließlich auch das Mantra und das Zählen der Atemzüge, obwohl es ohne meine bewusste Kontrolle weiter läuft, und innere Stille tritt ein.

Menschen, die mit mir zusammen meditieren, werden meist in diese Stille mit gezogen.

Aus dieser Stille heraus offenbaren sich manchmal ganz sanft aufsteigende, tiefe Erkenntnisse über die kosmischen Hintergründe und die Zusammenhänge zwischen unserem Bewusstsein und dem ewigen GEIST.

Schließlich steigt irgendwann das Ich, die bewusste, individuelle Identifikation, in der Stille auf und füllt das Bewusstsein wieder aus, ohne dabei als etwas vom GEIST Getrenntes wahrgenommen zu werden.

Der GEIST und Ich sind Nicht-Zwei.


Alles Liebe.   *INLOVE*

रोलन्द् बब

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Re: Spirituelle Praxis

Eine bestimmte Handlung oder Unterlassung kann nicht von sich aus spirituell sein. Aber durch Transformation können wir jede Handlung oder Unterlassung auf die spirituelle Ebene heben. Alles, wofür wir uns vollkommen hingeben, erfährt diese Transformation.

Meine bisherigen Beiträge in diesem Thema waren an Menschen gerichtet, die ein gewisses Maß der Bewusstheit ihrer Identifikation erreicht haben und nicht ganz zu unrecht einen gewissen Stolz darüber empfinden. Auch wenn Stolz an sich nichts böses ist, führt er leider häufig wieder zurück in die unbewusste Identifikation.
Wir müssen immer auf der Hut sein vor den Fallstricken spiritueller Eitelkeit, stets bestrebt, hellwach zu bleiben, sonst finden wir uns schneller im Jammertal der oft mit Leid erfüllten unbewussten Identifikation wieder, als wir denken können.

Es gibt aber auch viele Menschen, die den Geist noch nicht bewusst erfahren haben. Da wären zum Beispiel all die Sucher und die Menschen, die noch gar nicht in Betracht gezogen haben, dass im Auf und Ab ihres Lebens auch ein tieferer Sinn liegen könnte.

In erster Linie an diese Menschen sind die unzähligen Beschreibungen spiritueller Übungen der verschiedensten Art gerichtet, und für sie sind diese Übungen auch oft sehr sinnvoll. Nicht, weil auch nur eine einzige dieser Übungen in irgendeiner Weise das Erwachen oder ein dauerhaftes Leben in der bewussten Identifikation garantieren könnten, sondern weil sie alle die Aufmerksamkeit von der Beschäftigung des Alltags abziehen, der die Identifikation unbewusst hält. Sie führen zur Hingabe an etwas Abstraktes, wofür das Ich im Alltag keinen Lohn bekommt. Und so entsteht spirituelle Entwicklung.

Es sollte jedem klar sein, dass seine spirituellen Übungen vollkommen ins Leere gehen, solange er sie für irgend einen persönlichen Vorteil praktiziert. Dazu gehört leider auch der ach so spirituelle Vorsatz, etwas für das eigene Karma zu tun.

Spirituelle Praxis kann deshalb meist sehr transformierend wirken, wenn wir sie ohne Absicht, ganz entspannt aus dem Gefühl im Jetzt heraus durchführen. Wenn ich mich hinsetze und versuche, mich zum meditieren zu zwingen, weil heute Donnerstag, 20:00 Uhr ist und mein Meditationskurs 90 Euro gekostet hat, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn meine Gedanken einfach nicht zu beruhigen sind.

Der GEIST verlangt absolut nicht von uns, dass wir uns zwingen. Er verlangt eigentlich gar nichts von uns. Er gibt uns nur die Chance, zu erwachen. Wann, wo und wie bleibt ganz uns selbst überlassen. Die einzige Voraussetzung ist die vollkommene Hingabe. Und die gelingt nun mal den meisten Menschen eher, wenn sie sich entspannt und von Herzen mit etwas beschäftigen, als wenn sie sich dazu quälen.

Ich wünsche allen eine entspannte, hingebungsvolle und erfüllende spirituelle Praxis.

रोलन्द् बब

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Re: Spirituelle Praxis

Das mag ja alles stimmen. Aber warum sagst du uns nicht die ganze Wahrheit?

Dass man 30, 40 Jahre lang Beten, Meditieren, Yoga machen oder sonswat tun kann, ohne dass irgendwas passiert. Wenn man nicht gesegnet ist.

Dass auch mit Drogen für die Meisten nix zu machen ist ohne den Segen.

Dass andere Kundalinirising haben, ohne je davon gehört zu haben und es für ne Krankheit halten.

Hoffnung ist der Untergang der Menschheit!

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Re: Spirituelle Praxis

Danke für den Hinweis, Cosmic Floh. Das war übrigens ein Fall von kosmischer Resonanz, denn gerade gestern habe ich auch daran gedacht, aber keine Zeit gefunden, es hier zu schreiben. Das wollte ich baldmöglichst nachholen, aber jetzt bist du mir zuvor gekommen.

Ja, es stimmt: man kann jahrelang mehrere Stunden am Tag damit verbringen, spirituelle Übungen zu praktizieren ohne erkennbare Erfolge. Und das mit dem Kundalini Rising habe ich sogar selbst einmal bei jemandem genau so miterlebt.

In Asien tröstet man sich offensichtlich darüber hinweg, indem man glaubt, wenigstens für eines der nächsten Leben bessere Bedingungen zu schaffen. Obwohl man das eigentlich als kontraproduktiv betrachten kann, denn es öffnet der Hoffnung wieder ein Hintertürchen und wirkt so der vollkommenen Hingabe entgegen.

Ich muss dir zustimmen, ohne Segen geht gar nichts. Oder höchstens Trostpflaster fürs Ego, kurze Momente des Eintauchens ins reine Sein mit anschließender, mitunter heftiger kalter Dusche.

Doch soweit ich das zu erkennen vermag, ist der Segen absolut nichts persönliches, sondern steht jederzeit allen zum Gebot. Man muss sich nur dafür öffnen, voller Vertrauen dem GEIST hingeben.
Und genau darin scheint mir für die meisten Menschen das größte Problem zu liegen: die Kontrolle vollkommen abzugeben, dem lange mühsam trainierten Ich jede Macht zu entreißen und sich blind den kosmischen Kräften anzuvertrauen.

Aber ich mache mir da gar keine Sorgen, am Ende schafft es jeder. Je nach Geschmack schon in diesem oder irgendeinem späteren Leben. Ob mit Beten, Meditieren, Yoga oder ohne.

Dennoch halte ich spirituelle Übungen nicht für vollkommen nutzlos, denn auch wenn sie nichts bewirken, halten sie manche Menschen wenigstens davon ab, sich weiter immer tiefer in das Jammertal der unbewussten Identifikation hinein zu steigern. Obwohl natürlich auch einige, darunter mir bekannte Menschen durchaus in der Lage sind, ihre spirituellen Übungen genau dafür zu nutzen, sich immer weiter hinein zu reiten.

Aber man kann niemandem helfen, der glaubt, alles besser zu wissen und keine Hilfe annehmen will.


Alles Liebe.   *INLOVE*

रोलन्द् बब