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Thema: Wissenschaft und Spiritualität

Wir bauen uns als freie Geister unsere Welt, in der wir leben, mehr, als wir ahnen. Und zwar nicht allein, sondern gemeinsam. Früher haben Mythen, Magie und Glaube jeweils lange Zeit eine wichtige Rolle bei dieser Schöpfung unserer gemeinsamen Realität gespielt.

Diese Rolle hat heute die Wissenschaft übernommen. Dabei hat sie mit ihren Erkenntnissen die ganze Technik erst ermöglicht, die es uns heute erlaubt, in einem Rahmen Erkenntnisse und Informationen auszutauschen, der früher absolut undenkbar gewesen wäre.

Natürlich hat die Wissenschaft auch neue Grenzen gesteckt mit ihren Forderungen nach Beweisbarkeit und Nachvollziehbarkeit ihrer Entdeckungen und Erkenntnisse.

In gewissem Sinne hat die Wissenschaft tatsächlich unsere Welt entzaubert und unserer persönlichen Entfaltung neue Grenzen gesetzt. Das hat augenscheinlich sehr viele Menschen enttäuscht und so muss man sich daher nicht weiter wundern, wenn sie sie gerne wieder ganz abschaffen würden.
Sie möchten gerne wieder zurück in der Evolution, um ihrem Glauben, ihrer Religion, der Magie und ihren Allmachtsvorstellungen ungehindert nachgehen zu können. Dabei geht die Bereitschaft, zu regredieren und zu degenerieren häufig sogar so weit, dass sie auch auf all die Errungenschaften, die wir der Wissenschaft zu verdanken gaben, verzichten würden.

Ihnen allen sei gesagt: das ist nicht nur kontra-evolutionär und damit vollkommen gegen die Natur, sondern in höchstem Maße egozentrisch und unsozial. Daher kann es unter keinen Umständen auch nur ansatzweise als spirituell betrachtet werden.

Nun ist die Wissenschaft, trotz ihrer grundsätzlichen Bemühungen um Intersubjektivität, rationale und praktische Nachvollziehbarkeit etwas, was von Menschen getragen wird. Und zwar von Menschen auf den unterschiedlichsten geistigen Entwicklungsstufen.
Da gibt es in wichtigen Positionen Menschen, die richtungsbestimmende Entscheidungen treffen und sich dabei unbewusst von ihren noch nicht differenzierten und integrierten Bedürfnissen leiten lassen.
Wie wir alle wissen, finden ja selbst innerhalb der Wissenschaft teilweise erbitterte Kämpfe zwischen konservativen und innovativen Kräften statt.

So muss es uns nicht weiter wundern, dass die Wissenschaft, die unserem ganzen Streben nach dem Forschen, Erkennen und Erfahren des Kosmos erst eine gemeinsame, verbindliche, ordnende Struktur verleiht, ein mitunter recht träger Apparat ist.

Dadurch gehen manchmal für das Verständnis des Gesamtzusammenhangs der kosmischen Ordnung sehr wichtige Erkenntnisse vorübergehend unter oder brauchen Jahrzehnte, um sich in unserem kollektiven Weltbild zu etablieren. Hinzu kommt noch, dass die oft komplexen Zusammenhänge der kosmischen Ordnung in verschiedenen Teilbereichen der Wissenschaft zu einer hohen Spezialisierung geführt haben, die eine Einbindung neuer Erkenntnisse oft erschweren.

Aber auch das ist kein Grund, die Wissenschaft einfach zu verwerfen, denn es hat durchaus seine Berechtigung. Schließlich geht es dabei ja um die Entwicklung des gemeinsamen Weltbildes, das wir alle mehr oder weniger bereit sind zu tragen.
Das wäre nichts anderes, als genau den Fehler der Aufklärung zu wiederholen, dass man alles, was vorher war, einfach verwirft, anstatt es zu differenzieren und zu integrieren.

Diesen Fehler hat die Menschheit bereits ein weiteres Mal begangen, als in den späten 60er Jahren des letzten Jahrhunderts die auf einer globale spirituellen Welle reitende Jugend alle etablierten gesellschaftlichen Werte verwerfen wollte und deshalb mit ihrer spirituellen Revolution so kläglich gescheitert ist.

Wir können und müssen aus den Fehlern der eigenen und der menschlichen Vergangenheit lernen. Die Definition von Spiritualität hat sich seit dem letzten Anlauf einer globalen Transformation des kollektiven Bewusstsein der Menschen auf eine höhere Ebene deutlich gewandelt, ist aber noch immer für viele Menschen eine verschwommene Angelegenheit.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Spiritualität auch heute noch für viele Menschen etwas abschreckendes hat. Bei aller geistigen Reife steht für einen als materielles Wesen auf dieser wunderbaren Welt verkörperten Geist ja auch immer die Frage nach der eigenen Identität und persönlichen Freiheit im Raum.

Wenn wir eine gemeinsam von allen getragene Spiritualität entwickeln wollen, können wir uns nicht in die Wälder oder irgendwelche abstrakten kosmischen Ebenen und Vorstellungen zurückziehen und versuchen, allein oder in kleinen Grüppchen ein Leben wie unsere Vorfahren oder indigene Völker zu führen, sondern müssen all das, was unsere heutige Welt ausmacht, sinnvoll integrieren.

Dazu gehört eben auch die Wissenschaft. Sie hat neben ihren Stärken und Erfolgen eben auch ihre Schwächen, die es zu erkennen und transformieren gilt. Wandel ist spirituell gesehen immer höherwertig, als Vernichtung. Vernichtung ist immer ein Ausdruck von Schwäche, von Unfähigkeit, die aktuellen kosmischen Gegebenheiten sinnvoll ins eigene und kollektive Bewusstsein zu integrieren.

Damit werden Richtung und Ziel einer praktischen, erlebbaren Spiritualität schon etwas deutlicher. Sie kann und muss werten, wenn sie nicht in ein gefühlloses, chaotisches Flachland führen soll, in dem alles und jeder gleichwertig ist. Dabei müssen Verständnis und Akzeptanz immer einen höheren Wert haben, als Ignoranz, Verwerfung und Zerstörung, ordnende Prinzipien einen höheren, als zerstreuende.

Wissenschaft und Spiritualität stehen sich keineswegs unvereinbar gegenüber, das erscheint nur so, wenn wir es aus einer begrenzten, dualistischen Perspektive betrachten. Wenn wir uns verwirklichen und das Ganze verstehen wollen, kommen wir nicht daran vorbei, auch den Wert der Wissenschaft zu erkennen und zu schätzen, sie liebevoll zu integrieren.


Alles Liebe.  *INLOVE*

रोलन्द् बब