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Thema: Spirituelle Realität

Spiritualität wird von vielen Menschen als eine mehr oder weniger abstrakte, irreale Angelegenheit betrachtet.

Die Hardcore Fundamentalisten der Rationalität belächeln spirituelle Menschen und ihren vermeintlichen Glauben an eine Wirklichkeit hinter der offensichtlichen Oberfläche der Erscheinungen mitleidig.

Aber auch viele spirituelle Menschen driften gerne ins Abstrakte ab, weil es doch so herrlich ist, sich darin zu verstecken und so den unangenehmen Erscheinungen der Realität zu entfliehen.

Man kann sich im Abstrakten, in den kosmischen Weiten der Vorstellung sogar vor sich selbst verstecken und sich gut einreden, man wäre selbst der Schöpfer und hätte alles im Griff. Zumindest vorübergehend.
Aber meist holt uns die Realität schnell wieder ein und bringt uns, häufig dann recht unsanft, auf den Boden der Tatsachen zurück.

Das scheint zum Los des Menschen dazu zu gehören, dass man immer wieder in dieselben Fallen tappt und damit die unterschiedlichsten Formen von Leid herauf beschwört, bei sich selbst ebenso wie bei anderen, nur um immer weiter dazu zu lernen.

Offenbar geht es darum, den Kosmos als Ganzes anzunehmen. Was natürlich nicht gelingen kann, wenn man immer wieder mehr oder weniger unbewusst in dualistischen Ansichten landet und irgendwelche unerwünschten Teile des Kosmos verdrängen, ausblenden und leugnen will.

Die Wurzel des Problems liegt in der Identifikation, der Persönlichkeit. Die entwickeln wir von frühester Kindheit an immer weiter, um ein Bewusstsein für uns Selbst zu bekommen. Dabei bleibt es leider nicht immer aus, dass wir uns Eigenschaften zuordnen, die später zur Fessel für unsere weitere Entfaltung werden.
Sie stellen Grenzen dar, die uns daran hindern, den Kosmos als Ganzes anzunehmen und müssen daher früher oder später abgelegt werden.

Jede solche Grenze stellt eine Trennungslinie zwischen den zwei Seiten eines Widerspruchs in unserem Inneren dar, der daher rührt, dass wir dazu drängen lassen, uns für eine der beiden Seiten zu entscheiden und die andere verurteilen.
Damit wir nicht an diesem inneren Widerspruch zerbrechen, projizieren wir dann einfach kurzer Hand die unerwünschte Seite nach draußen und versuchen zu glauben, damit hätten wir wieder unsere Ruhe.

Doch der Kosmos lässt uns nicht in Ruhe, sondern drängt uns immer weiter auf dem Weg, ihn vollständig anzunehmen. Er konfrontiert uns dann im Außen so lange immer wieder mit unseren abgelehnten Anteilen, bis es uns endlich gelingt, sie zu integrieren.

Wenn wir nun Spiritualität mit der höchsten menschlichen Entwicklungsstufe gleichsetzen wollen, müssen wir uns darauf einigen, dass auf dieser Ebene alles angenommen werden muss.

Wir können uns nicht mehr einfach in unsere abstrakten Vorstellungen verkriechen und uns als allmächtige Schöpfer betrachten, denn das wäre eine einseitige Position, die unser eingebunden Sein in das unendliche Geflecht von Ursachen und Wirkungen leugnet, was uns aus bestimmten Perspektiven zu ohnmächtigen, hilflosen Opfern kosmischer Kräfte macht.

Sich mit Gott, dem Göttlichen oder irgendwelchen abstrakten Vorstellungen vom Kosmos zu identifizieren, schneidet uns immer von einem wesentlichen Teil von uns Selbst ab. Nämlich von unserer Persönlichkeit, unserem verletzlichen Ich, welches in einem verletzlichen Körper mit Bedürfnissen und Erfordernissen eingebunden ist.
Wir sind immer Beides, göttliche Wesen und menschliche Persönlichkeiten, und wann immer wir uns unbewusst in die eine oder andere Seite ziehen lassen, schneiden wir uns von einem wesentlichen Teil von uns selbst ab und beschwören damit allerlei Unheil herauf.

Spirituelle Realität kann nur sein, was nichts ausklammert. Weil der Kosmos immer Recht behält. In spätesten 120 Jahren sind unsere Körper nur noch Asche oder blanke Knochen, und mit ihnen kehren all unser Gefühle, Gedanken und Vorstellungen, all unsere einseitigen Stellungnahmen und Urteile, wieder in die Unendlichkeit zurück, aus der sie kamen.

Dennoch ist spirituelle Realität nicht einfach nur ein gleichwertiges Flachland, in dem nichts eine besondere Bedeutung hat. Sie ist auch eine Hierarchie, in der alles seinen spezifischen Wert hat, auch wenn dieser  immer an bestimmte Perspektiven gebunden ist.
Und solange wir unser persönliches Bewusstsein nicht auf den ganzen Kosmos ausgedehnt haben, sondern noch als individuelle Persönlichkeiten in physischen Körpern existieren, betrachten wir den Kosmos aus Perspektiven, in denen es Erscheinungen von unterschiedlichem Wert für unsere persönliche Erscheinung, unsere Mitmenschen und jedes andere Wesen im Kosmos gibt.

Auch das muss uns aber nicht vom neutralen Gewahrsein abschneiden. Es ist durchaus möglich, ein Leben als bewusst identifiziertes Individuum zu führen, das mit beiden Beinen fest im Boden der Tatsachen individueller Wahrnehmung verwurzelt ist, und dessen gleichzeitig als der neutrale Zeuge beizuwohnen, den all das nicht berührt.
Das ist nur eine Frage des Willens und dem Erlernen einer Technik, die unser Bewusstsein mit dem Gewahrsein des neutralen Zeugen verbindet. Es gibt dafür keine universelle Technik, die bei jedem Menschen funktioniert, und nicht jeder Mensch ist schon dafür bereit, diesen Schritt in seiner persönlichen Entwicklung zu machen.
Und es ist auch keineswegs vorgeschrieben oder notwendig, sondern es ist nur das Beste, was ein Mensch nach dem heutigen Stand des Wissens mit seinem Leben anfangen kann.


Alles Liebe.  *INLOVE*

रोलन्द् बब

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Re: Spirituelle Realität

Hey Baba,

das ist echt Klasse!  *THUMBSUP*  Aber glaubst du ernsthaft, dass das jemand interessiert, der sich unbewusst dem Kampf gegen das Böse oder irgend einem anderen rationalen, religiösen oder esoterischen Quatsch verschrieben hat? Das würde ja bedeuten, den Sinn der eignen Identität in Frage zu stellen.  *NO*

Ich find deinen Tanz hier immer wieder hinreißend, aber das sind doch Perlen vor die Säue. Kommt ja nicht mal irgend ne Reaktion. Und in der Übersicht sieht man, dass es auch kaum jemand überhaupt liest.

Hast du nix Besseres zu tun?  ;-)


L. G.   *INLOVE*

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Re: Spirituelle Realität

Hallo, lieber Cosmic Floh,

so wichtig nehme ich mich gar nicht. Der Tanz geschieht, weil die kosmischen Kräfte, die alles entstehen und vergehen lassen, ihn formen. Ich habe nur die Wahl, mit ihnen zu fließen, oder sie zu bekämpfen.

Das Kämpfen ist, wie du selbst festgestellt hast, hoffnungslos, während das Mitfließen erfüllend ist und Freude bereitet. Daher ist aus meiner Sicht Letzteres in der Tat das Beste, was wir tun können.

Das, was Andere für sich daraus machen, liegt ganz allein in ihrer Verantwortung. Ich muss niemanden belehren oder bekehren, sondern weise nur auf Perspektiven hin, die hilfreich sein könnten.


Alles Liebe.  *INLOVE*

रोलन्द् बब