1

Thema: Selbst & Vertrauen

In spirituellen Kreisen treffe ich immer wieder auf die weit verbreitete Ansicht, wir könnten nicht alles wissen und müssten irgendwelchen abstrakten Kräften mit den wildesten Namen vertrauen. Das sind Gott, Götter, das Göttliche, Engel, Lichtwesen, Geister, das Eine usw., alles Platzhalter für etwas, das unserem Bewusstsein angeblich nicht zugänglich, nicht zu verstehen und deshalb auch nicht zu beschreiben wäre.

Das ist für mich sehr religiös, hat einen wahren Kern und kann auf verschiedenen Bewusstseinsebenen auch durchaus sehr nützlich sein. Aber es ist für mich nicht spirituell. Ich möchte meinem Denken und Fühlen, meinem Vorstellungsvermögen keine solchen Grenzen mehr auferlegen.

Für mich sieht es so aus, dass wir für die Existenz als lebendige Wesen in der materiellen Welt zumindest vorübergehend eine Identifikation brauchen, mit deren Hilfe wir uns von allem anderen unterscheiden können. Aber wir müssen uns nicht ausschließlich mit unserer Persönlichkeit identifizieren und ihre willkürlichen Beschränkungen einfach als unumstößliche Gegebenheit hinnehmen.

In meiner Vorstellung sind meinem wahren Selbst vielmehr absolut keine Grenzen gesetzt. Das ist eine Einstellung, die man als "ich könnte, wenn ich wirklich wollte" bezeichnen kann. Damit nehme ich meine Identifikation jetzt genau so an, wie sie gerade ist, ohne mir für alle Zukunft den Weg zu verbauen, indem ich festlege, dass es Dinge gibt, die einfach nicht zu verstehen sind und deshalb hingenommen werden müssen.

Die Frage lautet für mich, warum wir uns immer wieder freiwillig solche absolut unsinnigen Grenzen auferlegen, die wir dann irgendwann doch wieder mühsam überwinden müssen, weil sie auf Dauer unbefriedigend sind.

Eine mögliche Antwort könnte lauten, dass es eben das ewige Spiel ist, sich Probleme auszudenken, um sie dann zu lösen und sich anschließend anerkennend auf die Schulter zu klopfen. Mit dieser Antwort konnte ich tatsächlich eine Zeit lang ganz gut leben, aber sie gehört letztlich auch in die Kategorie der Kompromisse und unbefriedigenden Zwischenlösungen. Sie erfordert auch wieder einen Glauben, der nicht wirklich erklärt, was Sache ist.

Was ich dagegen deutlich erkennen und verstehen kann, wäre die Antwort, dass man in der unbewussten Identifikation mit einer willkürlichen, begrenzten Persönlichkeit gerne zu solchen verwaschenen, blinden Glauben fordernden Erklärungen greift, weil man dann nicht die volle Verantwortung tragen muss, wenn etwas schief geht.

Man hat gebetet, meditiert, seine Rituale durchgeführt, Yoga gemacht - und dann vertraut man. Auf wen oder was vertraut man denn? Auf die Planeten, die Sterne, den lieben Gott und seine Gnade, die offensichtlich nach Gutdünken verteilt wird? Auf all die anderen abstrakten Wesen, die uns beschützen und alles zum Guten richten sollen? Ist all das, was wir uns da als verantwortlich für unser Schicksal vorstellen, nicht IN unseren Vorstellungen, unserem Bewusstsein, unserem wahren Selbst?

Aus dieser für mich etwas spirituelleren Perspektive SIND wir alle bereits Eins mit dem GEIST, für alle Ewigkeit untrennbar mit ihm verbunden und unser wahres Selbst ist ganz allein verantwortlich für den ganzen Kosmos. Es ist also vollkommen egal, wem oder was wir versuchen zu vertrauen, wir sind es letzten Endes immer selbst. Gott ist tot, hat Nietzsche gesagt. Und er lag gar nicht so falsch damit. Sein Fehler war nur, dass er damit einen Teil von sich Selbst getötet hat.

Das einzige, was uns wahrhaftig und endgültig denfreien Willen geben und  zurück in die ewige Glückseligkeit führen kann, ist das absolute Selbstbewusstsein. Das bedeutet, nicht nur unserer persönlichen Identifikation bewusst zu sein und blind irgend etwas zu vertrauen, was scheinbar irgendwo da draußen existiert und weder zu verstehen, noch zu beschreiben ist, sondern unseres ganzen Selbst.

Es bedeutet, zu erkennen, dass es "da draußen" nur aus der unbewussten Identifikation betrachtet gibt, dass außer uns niemand existiert, weil alle Wesen, abstrakt oder real, IN unserem Bewusstsein sind. Es bedeutet, dass es die persönliche Identifikation mit ihren sich wandelnden Beschränkungen UND unser wahres Selbst gibt. So bleibt uns am Ende gar nichts anderes übrig, als allen Wesen, abstrakt wie real, und damit unserem wahren Selbst zu vertrauen.

Aber bis dahin können wir ja noch ein wenig die Dummen spielen, die kosmischen Ströme für unerklärbar halten, die Verantwortung ablehnen und hoffen, dass es schon irgend jemand "da draußen" richten wird.

Ich bin jedoch eher dafür, den ganzen Kosmos mit allem, was darin lebt, entsteht und vergeht, als perfekt anzusehen und gleich hier und jetzt in die ewige Glückseligkeit einzutauchen - oder besser gesagt, dass überhaupt niemals irgend ein Wesen diese verlassen hat.

Ich lade euch alle herzlich ein, für immer in vollkommenes Verständnis und Mitgefühl, in grenzenlose Großzügigkeit, in totale Liebe und unermessliche Freude, in ewige Glückseligkeit einzutauchen. Lasst einfach alle Grenzen los und vertraut vollkommen eurem wahren Selbst. Mehr gibt es in dieser Welt nicht zu tun.

Ich liebe euch.   *INLOVE*

रोलन्द् बब