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Thema: Rationalität und Spiritualität

Das Leben als Geist mit menschlicher Gestalt ist für die Meisten von uns ein langer Kampf und eine wahrhaftige Herausforderung.

Erst müssen wir uns mühsam eine Identität aufbauen, uns durch diesen engen Schlauch in einen Körper zwängen und lernen, wie  wir diesen steuern können. Wenn wir das geschafft haben, müssen wir ihn beschützen und verpflegen, das ganze Leben lang.

Wir lernen, Geister, Dämonen, Götter und Naturgewalten zu beschwören und zu manipulieren, um unser Wohlergehen zu sichern.

Weil das auf die Dauer zu mühsam und unberechenbar ist und zu viele Abhängigkeiten schafft, hat die Menschheit sich schließlich von der Beschwörung abstrakter Vorstellungen abgewandt und die rational Ebene betreten.

Wie alles, was wir tun, haben wir auch das besonders gründlich erledigt und dabei unsere emotionale Seite weitgehend über Bord geworfen. Das hat zu einem weit verbreiteten Defizit an Wohlergehen geführt, was viele Menschen mit Konsum und Gier nach Liebe, Macht, Anerkennung und Sicherheit auszugleichen versuchen.

Es war bis dahin natürlich kein linearer Weg. Bei der Schlacht um Beherrschung von allen möglichen abstrakten Kräften bis zu unserem heutigen Maß an Wohlstand und Beherrschung der Materie gab es immer wieder Rückschläge, aber auch zu allen Zeiten immer wieder weite Voraussprünge in die spirituelle Ebene mit Erlebnissen kosmischer Verbundenheit, tiefen Einsichten und erleuchtenden Erkenntnissen.

In den letzten Jahrzehnten haben die Defizite der rationalen Ebene mit ihrer materiellen Fülle und ihrem Mängeln an tiefen, verbindenden Emotionen und einem erfüllenden Sinn zu einem erfreulichen, verstärkten Drang nach echter Spiritualität geführt, der unübersehbar ist.

Doch leider ist die Menschheit dabei, ihre alten Fehler beim Schritt von der rationalen Ebene in die Spirituelle zu wiederholen. In übertriebener Gründlichkeit wird versucht, Spiritualität zu kommerzialisieren, zu institutionalisieren und die Errungenschaften der Rationalität über Bord zu kippen und zurück zu kehren zu Glauben und Aberglauben.

Das hat überhaupt nichts mit Spiritualität zu tun. Rationalität ist nicht nur die Vorstufe, sondern die Grundlage, das Fundament jeder echten Spiritualität, ohne die sie einfach nur in der Luft hängen und wieder auseinander fallen würde. Spiritualität ohne Rationalität ist nichts weiter, als Aberglaube. Und das führt nicht zu wahrhaftiger Erfüllung und ewiger Glückseligkeit, sondern nur zu neuen Abhängigkeiten und Enttäuschungen.

Wir dürfen uns heute nicht mehr blinden Dogmen und Glaubenssätzen anvertrauen, wenn wir nicht wieder den mühsam errungenen Boden unter den Füßen verlieren wollen. Kosmos bedeutet Ordnung, und alles im Universum folgt einer Ordnung, die für uns nachvollziehbar ist.

Echte Spiritualität erfordert keinen blinden Glauben, kein Vertrauen in unerklärliche Mächte oder weise Personen, sondern klare, nachvollziehbare und überprüfbare Erkenntnisse über kosmische Zusammenhänge.

Solche Phrasen wie "du bist Liebe", "der Kosmos ist Liebe" oder "wir sind alle Eins" mögen zwar aus bestimmten Perspektiven wahr sein, aber sie helfen niemandem wirklich, der diese Erfahrungen nicht selbst gemacht hat.
Sie sind ohne allgemein gültige, für jeden leicht nachvollziehbare Schritte zu dieser Erfahrung und das tiefere Verständnis ihrer Hintergründe vollkommen wertlos. Das ist spiritueller Ego-Trip, aber keine Spiritualität.

Darum wünsche ich allen Menschen Herz UND Verstand, damit wir alle gemeinsam und ganz bewusst auf der spirituellen Ebene unendliche Liebe und unermessliche Freude erfahren, an der ewigen Glückseligkeit teil haben können.


Alles Liebe.  *INLOVE*

रोलन्द् बब

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Re: Rationalität und Spiritualität

Ich möchte das hier einmal anhand einiger Perspektiven verdeutlichen.

Wenn wir zum Beispiel beten oder ein Ritual ausführen, kann das aus ganz unterschiedlichen Bewusstseinszuständen heraus geschehen.

Auf der religiösen Ebene gibt man sich durch das Beten oder durch Rituale einer höheren Macht in die Hand. In manchen Fällen kann das zum gewünschten Erfolg führen, aber es gibt kein tiefes Verständnis dafür, warum dies geschieht. So kann daraus leicht eine Abhängigkeit entstehen, die zum Gefühl der Ohnmacht führt.
In Ermangelung besseren Wissens und tieferen Verständnisses sind Beten und Rituale natürlich durchaus legitime Versuche, das persönliche Befinden zu verbessern. Aber sie entsprechen aus anderen, weiteren Perspektiven eben immer einem geringen Maß an Bewusstheit.

Betrachtet man Beten und Rituale aus rationaler Perspektive, dann erkennt man, dass sie bei aufrichtiger Durchführung zu einer Änderung der Chemie in Körper und Gehirn führen, die wiederum einen harmonisierenden Einfluss auf das Bewusstsein haben.
Hier wird bereits ein tieferes Erkennen wirksam, als auf der religiösen Ebene. Beten und Rituale sind also aus rationaler Sicht keineswegs vergeblich oder unwirksam, sondern sie beeinflussen unmittelbar das Bewusstsein und können das persönliche Befinden damit deutlich verbessern, auch wenn sie nicht mehr als adäquates Mittel zur Manipulation des Weltgeschehens verstanden werden.

Wenn man also auf der rationalen Ebene Beten und Rituale vollständig differenziert und integriert hat, anstatt sie als Humbug und Aberglaube zu verwerfen, sind sie immer noch von großem Nutzen, haben einen hohen Wert für das persönliche Wohlbefinden, fordern aber keinen blinden Glauben mehr.
Aus dieser Perspektive wären Beten und Rituale um der Manipulation göttlicher oder kosmischer Mächte ein großer und gefährlicher Rückschritt, der mit einer Einschnürung des Bewusstseins verbunden ist und uns unseres freien Willens beraubt.

Aus spiritueller Sicht schließlich verwerfen wir weder die religiöse, noch die rationale Ebene, sondern erkennen, dass Beten und Rituale ein vielschichtiges Zusammenspiel vollkommen neutraler, kosmischer Kräfte darstellen.
Der abstrakte Gott, um dessen Gunst die religiöse Sicht bemüht ist, weicht einer konkret erfahrbaren und in allen Erscheinungen erkennbaren und wirksamen kosmischen Kraft, die man als kosmischen Fluss bezeichnen könnte. Beten und Rituale zentrieren den Geist, beruhigen ihn, indem sie auf ganz verschiedenen Ebenen unmittelbar auf ihn einwirken.
Auf der materiellen Ebene finden die elektrochemischen Prozesse der rationalen Sicht statt, die auf energetischer Ebene unmittelbar den Strom der Gedanken und Emotionen beeinflussen.
Die damit verbundene Konzentration und Versenkung bewirken schließlich eine Lösung von der Identifikation mit der eigenen Person und ihren Problemen, was zu einer Harmonisierung des Bewusstseins sowohl im Inneren als auch mit den es umgebenden kosmischen Kräften auf allen Ebenen bewirkt.

Auf der spirituellen Ebene hat das alles also nur noch wenig mit Hokus Pokus, Glauben oder Aberglauben zu tun, sondern folgt strikt den rationalen Prinzipien von Ursache und Wirkung. Jede Erklärung, die auf abstrakte Phänomene zurückgreifen muss, wird als aus bestimmten Perspektiven völlig richtig und wahr betrachtet, aber von geringerem Wert, als eine Erklärung, die ohne Glauben auskommt.


Ein anderes Beispiel sind Drogen. Es ist mehr oder weniger bekannt, dass viele erleuchtete Menschen irgendwann in ihrer persönlichen Entwicklung einmal Drogen genommen und damit eine Erweiterung ihres Bewusstseins mit tiefen Erfahrungen und Erkenntnissen bewirkt haben.
Wer vollständig erwacht und sich dessen auch im Alltag bewusst ist, wird Drogen jedoch meist ablehnen. Sie sind nämlich unter Umständen zwar hilfreich, aber meist nicht notwendig und sehr gefährlich. Drogen sind Heilmittel, die helfen können bestimmte, meist psychische Störungen oder Krankheiten zu heilen.
Benutzt man sie ohne das tiefe Wissen um die spirituellen Hintergründe, also die Kenntnisse der kosmischen Zusammenhänge auf allen Ebenen, dann führen sie meist nur zur Verschiebung der Probleme. Wenn man sie ausschließlich für das persönliche Wohlbefinden benutzt, ist eine Sucht schon vorprogrammiert.

Auf der magischen Ebene gehören Drogen sozusagen zum Alltag. Sie werden unter Anderem zur Manipulation des eigenen Bewusstseins angewendet, um mit abstrakten, magischen Wesen kommunizieren zu können, ebenso wie zur Manipulation von anderen Menschen. Daran ist absolut nichts falsch, aber es ist auch absolut nicht spirituell.

Aus einem religiösen Bewusstsein heraus werden Drogen eher als Hilfsmittel angesehen, den Glauben zu unterstützen. Wahrhaft gläubige Menschen lehnen den Gebrauch von Drogen im Alltag meist ab.

Die rationale Ebene liefert uns die Erkenntnis, dass Drogen Ritualen und Gebeten sehr ähnlich sind. Sie bewirken ebenfalls eine Veränderung der biochemischen Prozesse von Körper und Gehirn. Damit lösen sie eine Veränderung des Bewusstseins aus.
Da die herbeigeführten Änderungen des Bewusstseins von zu vielen Faktoren abhängen und daher meist schwer zu kontrollieren sind und die meisten Drogen weitgehende Nebenwirkungen für Körper, Psyche und soziales Verhalten zeigen, werden sie meist abgelehnt. Ein nüchterner, denkender Mensch möchte sich selten die Sinne und seinen Verstand benebeln und dadurch die Kontrolle und das Gefühl der uns allen gemeinsamen Realität nehmen lassen.

Eine spirituelle Sicht der Dinge führt zur Erkenntnis, dass die Wirkung von Drogen, wie alles im Leben, entscheidend mit dem Bewusstsein zusammenhängen. Sie können nur eine Verbesserung des persönlichen Wohlbefindens bewirken, wenn man nicht bereits in der ewigen Glückseligkeit ruht. Und dieses Ruhen in sich selbst und der ewigen Glückseligkeit lässt sich mit keiner Droge dauerhaft herbeiführen,
im Gegenteil: wem das nur mit Drogen gelingt, der ist abhängig und verliert seine Geborgenheit im kosmischen Sein, wenn er die Drogen nicht bekommt. Sie können uns also bestenfalls zeigen, dass wir uns in unserem beengten Bewusstsein zu sehr in unsere individuelle Identifikation verstrickt haben, indem sie uns vorübergehend daraus befreien und das kosmische Sein so erfahren lassen, wie es tatsächlich ist.

Uns aus den oft quälenden. selbst geschaffenen Grenzen wieder zu befreien, können sie uns keineswegs abnehmen, denn diese müssen von innen heraus erkannt und aufgegeben werden.
Aus spiritueller Sicht sind all diese Grenzen, die uns unfrei machen, unser Wohlbefinden trüben, uns von kosmischer Geborgenheit und ewiger Glückseligkeit trennen, selbst geschaffene Schutzmechanismen der unbewussten Identifikation, die erkannt, verstanden und wieder aufgegeben werden müssen. Diese Arbeit kann uns keine Droge abnehmen, sie hält uns höchstens davon ab, es zu tun.

Aus spiritueller Sicht hilft nur Versenkung, intensive, wachsame Selbstbetrachtung aus den Verstrickungen der persönlichen Identifikation. Es geht nicht darum, Unerwünschtes mit Drogen zu betäuben oder Erwünschtes damit herbeizuführen, sondern alles, was jetzt im Bewusstsein ist anzunehmen, zu verstehen und zu integrieren. Sonst kehrt es so lange wieder, bis es verstanden und integriert ist, ob mit oder ohne Drogen.

Schließlich möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass das wesentliche Element jeder spirituellen Betrachtung, die Grundlage für jedes Verständnis wie für das geborgene Ruhen in der ewigen Glückseligkeit, der alles durchdringende und umschließende GEIST ist.
Ohne eine feste Verankerung, ohne ständiges Gewahrsein dieses allem innewohnenden GEISTs gibt es keinen freien Willen, kein tiefes Verständnis und keine ewige Freude. Weder durch Beten, noch durch Rituale, Meditation, Yoga oder Drogen. Das alles sind ohne Gewahrsein des GEISTs nur Ablenkungen, die uns tiefer in die Identifikation verstricken und uns von unserem wahren Sein abhalten.

रोलन्द् बब