1

Thema: Gnade oder Urteil?

Im Gewahrsein gibt es kein allein gültiges, gerechtes Urteil. Alle Erscheinungen und Geschehnisse werden als das erkannt, was sei sind: eine völlig neutrale Folge des Prinzips von Ursache und Wirkung. Die Dinge entstehen oder treten in Erscheinung, weil sie der absolut neutralen Kraft des kosmischen Flusses folgen, der sich in allen, sowohl energetischen als auch materiellen Strömungen manifestiert.

Auf dieser Bewusstseinsebene jenseits von persönlicher Identifikation und Dualität haben alle Erscheinungen den gleichen Wert. Erst der relative Bezug zur Identifikation mit einer individuellen Persönlichkeit lässt manche Phänomene wertvoller erscheinen als andere.

Demzufolge haben unsere wahrgenommenen und vorgestellten Erscheinungen keine absoluten Werte, außer dass alles göttlich ist, vom selben strahlenden Licht erfüllt. Oder besser gesagt: jeder Erscheinung wohnt jeder nur denkbare Wert inne, der sich aus dem relativen Bezug zu einer individuellen Wahrnehmung ergeben kann.

So ist die Betrachtung der Welt der Erscheinungen aus der Perspektive des Gewahrseins stets frei von Urteilen, voller Verständnis, Ausdruck göttlicher Gnade. Neutrale Kräfte ohne eigenen Willen können für das, was sie bewirken, nicht verurteilt werden, egal, ob sie schöpferisch oder zerstörerisch, verbindend oder trennend wirken.

Natürlich ist dann auch unsere Identifikation mit unserer individuellen Persönlichkeit nicht weniger göttlich, als die Betrachtung der Welt aus dem Gewahrsein. Schließlich ist diese solange wir uns nicht vollkommen und in jeder Situation unseres freien Willens bewusst sind, auch nichts anderes, als die Folge neutraler kosmischer Strömungen, Ursache und Wirkung.

Das Geheimnis der Wahrheit liegt hier, wie überall im Kosmos, in der Überwindung unserer dualistischen Vorstellungen. Es gibt nur einen Widerspruch zwischen Urteilslosigkeit, göttlicher Gnade, Verständnis und vollkommenem Mitgefühl auf der einen und dem gerechten, moralischen und ethischen Urteil der persönlichen oder kollektiven Identifikation auf der anderen Seite, wenn wir glauben, einseitig Stellung beziehen zu müssen.

Zu urteilen und Stellung zu beziehen ohne das gleichzeitige Ruhen im Gewahrsein, voller Mitgefühl und göttlicher Gnade, ist unbewusste Identifikation. Das entspricht zwar vollkommen unserer Menschlichkeit, wird aber in keine Weise unseres ganzen Selbst gerecht. Jede Verurteilung von Umständen, Personen oder Taten, die irgendwelchen Gesetzen, Regeln, Konzepten oder Dogmen folgt und nicht im vollen Bewusstsein der kosmischen Hintergründe dem spontanen Impuls entspringt, ist nur unbewusste persönliche Identifikation und hat mit freiem Willen nichts zu tun.

Daher wird jede solche Verurteilung, ob sie nun auch zu Entscheidungen und Taten führt oder nicht, zur Ursache für weitere unbewusste Identifikation, die unsere Entwicklung zum vollkommen freien, in der ewigen Glückseligkeit ruhenden Geist behindern.

Ein wahrhaft freier Geist urteilt nicht aufgrund von festen, vorgegebenen Regeln und nicht, weil er blind seinen Emotionen folgt, sondern in dem Bewusstsein, dass seine Entscheidungen sowohl seinem freien Willen, als auch den absolut neutralen kosmischen Strömungen folgt. Denn ALLES, was geschieht, ist Realität und damit das einzig Richtige. Das können wir nur verstehen, wenn wir uns unaufhörlich darum bemühen, anstatt faul irgendwelche Regeln, Gesetze, Modelle und Dogmen aufzustellen, die uns nur das Denken abnehmen sollen.

Ein wahrhaft freier Geist ist ganz bewusst, wach, im Hier und Jetzt - und stets darum bemüht, in allen Erscheinungen das unergründliche Mysterium des Seins zu erkennen.


Alles Liebe.   *INLOVE*

रोलन्द् बब

2

Re: Gnade oder Urteil?

Man hätte es auch kürzer formulieren können: Gnade und Urteil sind nur zwei unterschiedliche Perspektiven auf ein und dasselbe Geschehnis. Sie schließen einander nur aus der jeweils anderen Perspektive gegenseitig aus und sind beide ebenso Ausdruck des Göttlichen wie nüchternes, logisches Ereignis - Nicht-Zwei, Advaita.

Ein weiterer erwähnenswerter Aspekt ist die Projektion. Jedes Urteil, das wir nicht selbst treffen und dann bei Anderen kritisieren, bleibt dennoch unser eigenes Urteil, denn es findet noch immer in unserem individuellen Bewusstsein statt, nur eben in das vermeintliche Außen projiziert.
Das mag uns zwar besser dastehen lassen und erspart uns, selbst die volle Verantwortung dafür übernehmen zu müssen. Genau das treibt uns aber noch tiefer in die unbewusste Identifikation und beraubt uns damit des freien Willens.
Ähnliches gilt natürlich auch für die kollektive Verurteilung von Geschehnissen: wer wirklich über einen freien Willen verfügen will, muss ganz allein selbst die Verantwortung übernehmen - in letzter Konsequenz für den ganzen Kosmos.

Daher bevorzuge ich Gnade, Verständnis und Mitgefühl, wo immer es meine persönliche Identifikation zulässt. Wo es meine Identifikation im Einklang mit dem kosmischen Fluss dagegen erfordert, urteile ich hart und rücksichtslos. Ich und ES, mein Bewusstsein und GEIST sind Nicht-Zwei.


Alles Liebe.   *INLOVE*

रोलन्द् बब