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Beitrag vom 10.01.2015 13:22

Freier Wille?

Seit einiger Zeit werden sowohl im spirituellen Bereich als auch auf wissenschaftlicher Seite ernsthafte Bedenken gegenüber dem freien Willen laut. Auf spiritueller Seite argumentiert man damit, dass ein freier Wille einer nicht existierenden, illusionären Person ebenfalls nur Illusion sein kann und die Hirnforschung hat belegt, dass Sekunden vor der bewussten Entscheidung bereits neurochemische Prozesse nachweisbar sind, die das Ergebnis vorweg nehmen.

Macht uns das nun zu ferngesteuerten Affen? Zu hilfs-, willen- und verantwortungslosen Marionetten materieller Prozesse oder kosmischer Kräfte?

Für mich ist hier ganz eindeutig ein gewisser Integrationsbedarf erkennbar. Wir können weder die logischen, philosophischen, religiösen und spirituellen Gedankenspiele, noch die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse einfach unter den Tisch kehren, weil es uns nicht in den Kram passt. Manche spirituellen Menschen, die zu dem Schluss eines Mangels an freiem Willen gekommen sind, gelangten auch durch tiefe Einblicke in die kosmischen Hintergründe der Erscheinungswelt dazu.

Nun ist mir der Gedanke, keinen freien Willen zu besitzen, eher unangenehm. Das dürfte vielen so gehen und ist wohl auch kein Wunder, denn es würde ja bedeuten, dass wir uns völlig vergeblich abmühen, liebevolle, gerechte, mitfühlende Menschen zu sein. Es würde uns auch jeder ethischen und moralischen Verantwortung entheben. Und sowohl die Entscheidung, diese Zeilen hier zu schreiben, als auch die Wortwahl wären nichts als die Folge eines Befehls aus unbekannter Quelle, der mit meiner Persönlichkeit nur in Form einer willenlosen Dienerschaft in Verbindung steht.

Aus der ausschließlichen Perspektive der persönlichen Identifikation kann ich also der Idee von der Nicht-Existenz eines freien Willens wenig abgewinnen. Aber zum Glück verfüge ich ja über einen beweglichen, freien Geist und bin in der Lage, auch andere Perspektiven anzunehmen. Oder? Jedenfalls kann ich mir durchaus auch vorstellen, dass es tatsächlich so etwas wie unpersönliche, kosmische Kräfte gibt, die den Inhalt meines Bewusstseins bestimmen. Ob man die nun Gott, Geist, Karma oder biochemische Vorgänge nennt, spielt dabei für mich eigentlich keine so große Rolle.

Aus einer weiten, kosmischen Perspektive kann ich zu diesem Thema folglich nur sagen: sowohl, als auch. Alles nur eine Frage der individuellen Perspektive, die man in einem bestimmten Moment einnimmt. Womit wir wieder beim berühmten Advaita wären. Es ist nicht-zwei. Auch nicht eins., sondern immer Vieles. Es ist mir in einem bestimmten Augenblick einfach aus der persönlichen Identifikation heraus nicht möglich, alle denkbaren Perspektiven zu berücksichtigen.

Für mich als bewusst identifizierte Person ist es aber sehr wohl möglich, die mich persönlich betreffende Perspektive so zu erweitern, dass der scheinbare Widerspruch zwischen Bestimmtheit und freiem Willen transformiert wird. Wenn ich erst einmal erkannt und angenommen habe, dass meine Entscheidungen, je nach Perspektive sowohl frei als auch vollkommen vorbestimmt sind, muss ich mir diese Frage gar nicht mehr stellen.

Eine aus spiritueller Sicht vielleicht ganz interessante Frage ist für mich, was bei einem Perspektivenwechsel mit meinem Bewusstsein eigentlich geschieht. Ich will jetzt nicht behaupten, ich wüsste das tatsächlich, aber man kann versuchen, es sich anhand eines Modells vorzustellen.

Ich stelle mir immer gerne vor, dass unser individuelles Bewusstsein in einem bestimmten Augenblick eine Wolke von Bewusstseinsinhalten ist, die von der Sphäre (um nicht das abgedroschene und eher verwirrende, weil hierarchische Wort Ebene zu benutzen) abhängt, in der sich das Bewusstsein gerade befindet.

Unterschiedliche Sphären haben unterschiedliche Komplexe von Bewusstseinsinhalten, die in ihnen zur Verfügung stehen. Befinden wir uns beispielsweise in der triebgesteuerten Sphäre im Bereich Fortpflanzung, dann herrschen überwiegend sexuelle Bewusstseinsinhalte, die wiederum kaum Raum für technische, wissenschaftliche, philosophische oder spirituelle Inhalte geben. Der Esoteriker würde sagen: wir hängen im Sexualchakra fest.

Und jetzt kommt doch wieder eine Hierarchie ins Spiel. Es scheint nämlich tatsächlich Sphären zu geben, die weit größer sind als andere und diese vollständig umschließen, bzw. integrieren. Diese Sphären sind gemeint, wenn von "höheren" Bewusstseinsebenen die Rede ist. Sie sind natürlich keineswegs "höher", sondern weiter und tiefer, beinhalten mehr Perspektiven, die mehr erklären, integrieren und transformieren können. Und deswegen haben sie aus kosmischer oder spiritueller Sicht einen höheren Wert.

Ich habe beschlossen, mich selbst stets nach Kräften um das Vordringen in weitere Sphären zu bemühen, die mehr Perspektiven zulassen und mir ermöglichen, mehr zu integrieren und anzunehmen.
Dabei spielt es für mich kaum eine Rolle, ob es überhaupt dieses Ich gibt, oder es nur meine Illusion oder Vorstellung ist, und ob nun tatsächlich das Ich diesen Beschluss gefasst hat, oder eine höhere Macht es so bestimmt hat. Das kann problemlos nebeneinander bestehen, womit ich glücklich bin und alle Anderen auch den Raum für ihr individuelles Glück finden.



Aus: http://rolandbaba.de/forum/viewtopic.php?id=35

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